Die Sensation bleibt aus

Im Hinspiel der Playoffs 12 in der CEV Champions League mussten die BR Volleys am Donnerstagabend vor 6.349 Zuschauern in der Max-Schmeling-Halle gegen das Starensemble von Zenit Kazan eine deutliche Niederlage hinnehmen. In 76 Minuten unterlagen die Berliner dem zweifachen Champions-League-Sieger mit 0:3 (20:25, 22:25, 20:25) und reisen nun mit geringen Chancen auf das Weiterkommen zum Rückspiel am Dienstag nach Russland. 


2014-01-16

Gegen die russischen Riesen von Zenit Kazan war am Donnerstag kein Kraut gewachsen.
Foto: Eckhard Herfet, Berlin


Eine Sensation hatten sie sich vorgenommen, die Männer um Teamkapitän Scott Touzinsky. Denn im Vorjahr
– ebenfalls in den Playoffs 12 – waren die Hauptstädter zweimal nur denkbar knapp mit 2:3 an den Riesen aus Tatarstan gescheitert. Diesmal wollten sie sich unbedingt revanchieren. Doch bereits im ersten Satz wurde deutlich, warum die Mannschaft von Zenit Kazan zu den besten der Welt zählt.

Schnell konnten sich die Gäste durch knallharte Angriffe des US-Amerikaners Matthew Anderson und vom russischen Ausnahme-Talent auf der Diagonalposition, Maxim Mikhailov, eine Drei-Punkte-Führung erarbeiteten (5:8). Diese gab Zenit dank einer fehlerfreien Vorstellung bis zur zweiten technischen Auszeit nicht mehr ab (13:16). Zwar kämpften die Berliner um jeden Ball und konnten den Rückstand zwischenzeitlich auf einen Punkt verkürzen (16:17 und 17:18), doch zu viele Aufschlagfehler und Abstimmungsschwierigkeiten in der Annahme der Hauptstädter ließen die Russen wieder davonziehen. Schließlich war es eine Aufschlagserie von Außenangreifer Evgeny Sivozhelez, die dem Favoriten den ersten Satzgewinn bescherte (20:25).

Der Beginn des zweiten Durchgangs war hart umkämpft. Nachdem Paul Carroll seiner Mannschaft mit einem krachenden Diagonalangriff zum 6:5 eine kleine Führung erspielte, war es auch in den folgenden Ballwechseln der Australier, der im Mittelpunkt des Geschehens stand. Mit einer reaktionsstarken Rettungsaktion ermöglichte Carroll das Zuspiel auf Touzinsky, der auf 8:6 erhöhte. Ein starker Block von Tomas Kmet und Robert Kromm baute den Berliner Vorsprung bei 13:10 sogar auf drei Zähler aus, doch Zenit konterte mit durchschlagskräftigen Angriffen von Mikhailov, Anderson und Sivozhelez. In dieser Phase zeigte sich einer der wichtigsten Unterschiede im Spiel beider Mannschaften: Während die BR Volleys weiterhin mit ihrem Aufschlag haderten, brachten zwei Service-Serien, zunächst von Mikhailov und dann von Sivozhelez, die Russen erneut auf die Siegerstraße (14:16 und 14:18). Auch der zwischenzeitliche Ausgleich durch Robert Kromm, mit neun Zählern erfolgreichster Punktesammler der Hauptstädter, zum 19:19 brachte nicht mehr die erhoffte Wende. Erneut stellten die Russen ihre Klasse unter Beweis. Aggressiver im Aufschlag und kompromissloser im Angriff sicherten sie sich auch den zweiten Satz (22:25). 

Im dritten Durchgang schienen die Berliner zunächst der Mut und die Kraft verlassen zu haben. Rasch setzte sich das Gästeteam ab (5:8, 7:10, 9:12). Erst eine Aufschlagserie von Tomas Kmet brachte die Gastgeber zurück ins Spiel (13:13). Noch einmal hofften die 6.349 Zuschauer in der Max-Schmeling-Halle auf ein „Volleyball-Wunder“. Doch die Antwort der Russen ließ nicht lange auf sich warten: Einmal mehr hämmerte Maxim Mikhailov den Ball in die gegnerische Spielfeldhälfte. Zwar konnten die BR Volleys in der Folgezeit immer wieder ausgleichen (17:17, 18:18, 19:19), aber die Führung sollten sie an diesem Abend nicht mehr übernehmen. Am Ende brachte Kazan auch den dritten Satz souverän nach Hause (20:25).

Damit wird es für die Berliner am kommenden Dienstag (16.30 Uhr deutscher Zeit) in Kazan nun ganz schwer. Im Rückspiel benötigt die Mannschaft von Trainer Mark Lebedew einen 3:0- oder 3:1-Sieg, um in einem „Golden Set“ um die Qualifikation für die Runde der besten sechs Mannschaften des Kontinents spielen zu können. Dementsprechend enttäuscht zeigte sich der Australier nach der Partie: „Wir hatten heute Großes vor, wollten dieses Spiel gewinnen. Gegen Zenit Kazan darf man zwar verlieren, aber für Dienstag sehe ich nur noch wenige Chancen. Nichtsdestotrotz wollen wir uns in Russland natürlich bestmöglich präsentieren.“ 

Sein Kollege auf  der anderen Seite war hingegen vollends zufrieden mit der Leistung seiner Mannschaft: „Ich bin über diesen Sieg sehr glücklich, denn er bringt uns drei wichtige Punkte. Das war das, was ich von meinen Spielern erwartet habe“, gab Zenit-Coach Vladimir Alekno zu Protokoll.

Einen anderen Verlauf des Abends hatte sich BR Volleys Mittelblocker Srecko Lisinac erhofft: „Wir sind Kazan gegenüber mit großen Respekt angetreten. Sie haben sehr gut gespielt und auch verdient gewonnen.“ Was das Rückspiel gegen die Russen betrifft, will sich der junge Serbe jedoch noch nicht geschlagen geben: „Wenn uns etwas Mut macht, dann ist es sicherlich die Tatsache, dass wir viel besser spielen können, als wir es heute getan haben.“

 

In drei Wochen beginnt die neue Bundesliga-Spielzeit mit dem offiziellen DVL-Saisoneröffnungsspiel gegen Generali Haching in der Max-Schmeling-Halle. Mark, wie zufrieden bist Du mit der bisherigen Vorbereitung und wo siehst Du noch „Baustellen“?

Mark Lebedew: Bis jetzt bin ich zufrieden. Die Mannschaft ist konditionell gut drauf, arbeitet motiviert und intensiv.  Wir haben natürlich noch viel zu tun, vor allem unsere Organisation müssen wir verbessern. Außerdem gibt es das ein oder andere technische Detail, an dem wir arbeiten müssen.

 

Bei den ersten Testspielen in Polen gab es jeweils klare Niederlagen. Worauf legst Du bei solchen Vorbereitungsspielen besonders wert und welches Fazit ziehst Du aus dem Turnier in Olsztyn?

Lebedew: Diese Vergleiche sind wichtig, um zu sehen, wo wir gerade stehen und was wir noch zu tun haben.  Das hat uns das Turnier in Olsztyn aufgezeigt.  Wir haben am Wochenende wichtige Schritte gemacht und junge Spieler wie Ruben Schott und Florian Hecht haben die Möglichkeit bekommen, gegen hochklassige Mannschaften zu spielen. Das wird für die Zukunft wichtig sein.

 

Aufgrund von internationalen Aufgaben stehen Dir in der Vorbereitung nicht alle Spieler zur Verfügung. Kawika Shoji ist mit Team USA unterwegs, Tomas Kmet mit der Slowakei und Neuzugang Srecko Lisinac mit Serbien spielen bei der Europameisterschaft. Wie schwer wiegt dieses Problem und wie kompensiert Ihr die Ausfälle in der täglichen Trainingsarbeit?

Lebedew: Es ist normal, dass zu diesem Zeitpunkt einige Spieler fehlen und es Dinge gibt, die wir nicht trainieren können. Am meisten fehlt uns Kawika, weil wir im Training nur einen Zuspieler haben und so weniger Spielformen üben können.

 

Was sind Deine Erwartungen an das Saisoneröffnungsspiel am 15. Oktober gegen Pokalsieger Generali Haching und warum sollte man sich dieses Volleyball-Highlight nicht entgehen lassen?

Lebedew: Ich erwarte ein hochklassiges Spiel, ein tolle Atmosphäre, Leidenschaft, Spaß und hoffentlich am Ende drei Punkte für die BR Volleys.