Den Strohhalm gegriffen

Die BR Volleys bleiben dank ihres ersten Auswärtserfolgs in der 2016 CEV Champions League weiterhin im Rennen um die Playoff-Startplätze. Beim bulgarischen Meister Marek Dupnitsa gewannen die Berliner am Mittwochabend verdient mit 3:0 (25:14, 25:19, 27:25). Trotz der hohen Belastung der vergangenen Wochen zeigte der Hauptstadtclub eine überzeugende Vorstellung und ließ das junge Heimteam nur in Durchgang drei am Satzgewinn schnuppern.


2015-12-16

Foto: Eckhard Herfet


Coach Roberto Serniotti hatte im vierten Gruppenspiel der Königsklasse eine kleine Überraschung in der Startformation parat. Für den Australier Paul Carroll begann der Ungar Arpad Baroti als Diagonalangreifer. Neben ihm starteten Robert Kromm und Paul Lotman im Außenangriff, Nicolas Le Goff und Tomas Kmet als Mittelblocker, Tsimafei Zhukouski auf der Zuspielposition und Libero Erik Shoji.

Die Berliner benötigten einige Zeit, um zu ihrer gewohnten Sicherheit zu finden und gerieten im Auftaktsatz zunächst in Rückstand (1:3). Mit zunehmender Spieldauer kam der Deutsche Vizemeister jedoch in seinen Rhythmus und Kmet sorgte per Ass für den Ausgleich (5:5). In der Folge gaben die BR Volleys den Takt an und konnten sich durch erfolgreiche Abschlüsse von Baroti absetzen (12:8). Die Gäste ließen nicht locker und bauten die Führung weiter aus (17:12). Als dann Zhukouski an die Aufschlaglinie trat und den Druck auf die bulgarische Annahme nochmals erhöhte, war der erste Durchgang entschieden (21:13). Einer der sich häufenden Eigenfehler des Heimteams brachte schließlich den 25:14-Satzerfolg.

Der Hauptstadtclub knüpfte in Durchgang zwei an die konzentrierte Vorstellung aus Satz eins an und ging durch Kapitän Kromm schnell in Front (3:1). Dupnitsa hatte immer wieder Probleme mit den druckvollen Aufschlägen der Berliner und Baroti blockte zum 8:6. Nach einer starken Service-Performance von Lotman kämpften sich die Gastgeber zurück und BR Volleys Coach Serniotti nahm seine erste Auszeit (13:12). Kurze Zeit später kam Francesco De Marchi ins Spiel und Kmet wechselte zum Aufschlag. Der Slowake, der nahezu fehlerlos agierte, sorgte gemeinsam mit der guten Blockarbeit seiner Mitspieler für eine 20:14-Führung. Diese ließ sich Berlins Volleyballteam Nr. 1 nicht mehr aus der Hand nehmen und De Marchi verwandelte schließlich zum souveränen 25:19.

Im Gleichschritt ging es durch die Anfangsphase von Durchgang drei (3:3, 5:5). Dann wurde der bulgarische Block präsenter und stellte die deutschen Gäste vor Probleme (6:10). Die hohe Belastung der vergangenen Wochen machte sich bemerkbar, Kraft und Konzentration ließen nach. Serniotti reagierte und brachte Sebastian Kühner für Zhukouski. Das Spiel der BR Volleys stabilisierte sich und Kühner selbst konnte auf 13:15 verkürzen. Doch durch zahlreiche Aufschlagfehler lief man dem Rückstand zunächst weiter hinterher. Ein Ass von Lotman sorgte für den wichtigen Ausgleich (17:17) und Coach Serniotti rotierte weiter: Felix Fischer sollte frische Impulse setzen. Doch die Bulgaren, die jetzt endlich ihr wahres Leistungsvermögen offenbarten, brachten die Berliner erneut in die Bredouille (20:22). Nach einer Auszeit kehrte das BR Volleys Team konzentriert auf das Parkett zurück und mit Fischer stand nun der Block (25:24). Im besten Ballwechsel der Partie, in dem Libero Shoji mehrfach überragend verteidigte, stemmte sich die Heimmannschaft gegen die drohende Niederlage und konnte alle Angriffsversuche des Hauptstadtclubs erfolgreich abwehren. Zwei Ballwechsel später war es dann trotzdem geschehen. Arpad Baroti, mit 18 Zählern bester Punktesammler für die BR Volleys, verwandelte den Matchball zum 27:25.

Roberto Serniotti sah, abgesehen von kleinen Unsicherheiten im dritten Satz, einen überzeugenden Auftritt seiner Mannschaft: "Wir haben zwei Sätze lang sehr guten Volleyball gespielt. Durch den sicheren Vorsprung ließ in der Folge unsere Konzentration etwas nach und wir gingen manchmal zu viel Risiko. Mit der nötigen Konsequenz konnten wir den Durchgang jedoch drehen und am Ende einen klaren Sieg einfahren." Der zuletzt glücklos agierende Arpad Baroti zeigte sich in diesem Match stark verbessert und bekam dafür ein Extralob des Italieners: "Arpad begann nervös, aber dann fand er zu seiner Sicherheit. Ich weiß, was er kann und das hat er heute gezeigt. Ich muss ihm und meinem gesamten Team ein Kompliment machen."

Zeitgleich gewann Belogorie Belgorod (RUS) mit 3:0 gegen Arkas Izmir (TUR). Je nachdem, wie das Hinspiel zwischen beiden Mannschaften, zu dem die Russen aus politischen Gründen nicht in der Türkei antreten wollten, gewertet wird, müssen die BR Volleys nun aller Voraussicht nach ihre beiden noch ausstehenden Partien gegen beide Spitzenteams gewinnen, um in die Runde der besten 16 Vereine Europas einzuziehen. Roberto Serniotti will sich nicht an den sportpolitischen Diskussionen beteiligen, für ihn ist vor allem wichtig, das Weiterkommen noch selbst beeinflussen zu können: "Wir haben mit dem heutigen Sieg weiterhin die Möglichkeit, die Play-off-Runde zu erreichen. Natürlich stehen uns zwei ganz schwierige Aufgaben bevor, doch noch haben wir eine Chance."