Gekämpft, gezittert, ausgeschieden

In der CEV Champions League boten die BR Volleys am Mittwochabend dem haushohen Favoriten Belogorie Belgorod lange Paroli, unterlagen am Ende aber mit 1:3 (23:25, 25:17, 25:27, 17:25). Vor 5.129 Zuschauern in der Berliner Max-Schmeling-Halle zeigte das arg ersatzgeschwächte Heimteam einen aufopferungsvollen Kampf, verpasste es aber sich selbst für die beste Leistung im Jahr 2016 zu belohnen. Letztendlich zogen die Hauptstädter in zwei ganz engen Sätzen denkbar knapp den Kürzeren und haben somit keine Chance mehr, die Playoffs der besten zwölf Mannschaften zu erreichen.


2016-01-20

Foto: Eckhard Herfet


Die Personalsituation beim Hauptstadtclub verschäfte sich gegenüber dem letzten Bundesligaspiel bei der VSG Coburg nochmals. Cheftrainer Roberto Serniotti musste neben Kapitän Robert Kromm und Tsimafei Zhukouski auch noch auf den formstarken Tomas Kmet verzichten. Arpad Baroti ging dazu angeschlagen in die Partie. Daher stellte sich das Team an diesem Königsklassenabend nahezu von allein auf: Angeführt von Ersatzkapitän Paul Carrol bildeten Nicolas Le Goff, Felix Fischer, Paul Lotman, Ruben Schott, Sebastian Kühner und Erik Shoji die Startformation.

Die Berliner begannen wie die Feuerwehr. Schott eröffnete eine fulminante Anfangsphase, die Kühner mit einer starken Aufschlagserie bis zur ersten technischen Auszeit veredelte (8:1). Doch nach dieser Pause stabilisierte sich das Spiel der Gäste. Die BR Volleys fanden kaum noch einen Weg durch oder um den massiven russischen Block und der Vorsprung der Gastgeber schrumpfte dahin (11:6, 13:10). Zahlreiche Aufschlagfehler auf Belgorod-Seite sorgten jedoch weiterhin für Ausgeglichenheit. Erst bei 15:17 schien der Auftaktsatz gedreht, doch die Berliner fanden im Angriff zurück zu ihrer Stärke und kamen durch Lotman nochmals heran (20:20). Letztendlich war es Superstar Dmitriy Muserskiy vorbehalten, einen Durchgang auf Augenhöhe zu beenden (23:25).

Auch im zweiten Abschnitt erwischten die Berliner einen Blitzstart (4:1), aber die Russen ließen sich davon nicht beirren und holten auch diesen Rückstand auf (8:8). In der Folge drehte der Australier Carroll für seine Farben so richtig auf und konnte eine weitere Serie von Kühner regelmäßig krachend abschließen (16:10). Und dieses Mal ließen die BR Volleys nicht locker, kämpften um jeden Punkt und verteidigten ihre Führung (21:15). Lotman ebnete mit einem überragenden Ein-Mann-Block den Weg für seinen Kapitän Carroll, der einen starken Berliner Satz perfekt beendete (25:17).

Durchgang drei verlief gänzlich anders. Lange konnte sich kein Team absetzen. Variabler Angriffsdruck der Berliner stand einem überragenden Muserskiy gegenüber (2:3, 7:8). Geprägt von starkem Side-Out-Spiel entwickelte sich ein Schlagabtausch auf Augenhöhe, in dem die BR Volleys für die spektakulären Punkte sorgten (16:15). Die Annahme um Libero Shoji war die Grundlage für ein Match, das den Volleyballtempel elektrisierte. Nach einem 3-Punkte-Rückstand (19:22) kämpfte sich das Team in Orange mit Le Goff am Aufschlag zurück (22:22). Nachdem Muserskiy den ersten Satzball für die Russen liegen ließ, hatte nach einem weiteren Einer-Block von Lotman das Heimteam die Chance, diesen vorentscheidenden Durchgang für sich zu entscheiden. Doch leider agierte Fischer zweimal glücklos und der so wichtige Satzgewinn ging an Belgorod (25:27).

Von diesem Schlag mussten sich die Hauptstädter erst einmal erholen und liefen im vierten Satz schnell einem Rückstand hinterher (2:5). Nach einer Schrecksekunde – Le Goff musste nach einer Rettungsaktion verletzt in die Kabine – konnten sich die Berliner aber noch einmal aufraffen und schafften den Ausgleich (8:8). Zwar ließ Belgorod nach starken BR Volleys Aufschlägen immer wieder Federn in der Annahme, doch die außergewöhnliche Athletik der Gäste setzte sich nun immer öfter durch. Muserskiy drehte auf und legte bzw. führte die Bälle geschickt ins gegnerische Spielfeld (12:17). Beim Hauptstadtclub war die Luft nun raus und die Russen agierten im Angriff gnadenlos. Nach 111 packenden Minuten endete ein Match, in dem man den Favoriten zwar ins Wanken, aber nicht zu Fall bringen konnte (17:25).

Zuspieler Sebastian Kühner, der seinem Team die nötige Emotionalität verlieh, sah einen beherzten Auftritt: "Wir haben heute von Beginn an mit viel Risiko gespielt, um die Russen gar nicht erst in Fahrt kommen zu lassen. Natürlich haben wir dadurch auch Fehler gemacht. Ich denke, wir haben trotzdem die richtige Taktik verfolgt. Leider konnten wir uns nicht belohnen."

Cheftrainer Roberto Serniotti lobte im Anschluss an das Match den Kampfgeist seiner Mannschaft: "Die Spieler zogen aus dem verkorksten Hinspiel ihre Motivation und wollten es unbedingt besser machen. Wir konnten über unsere Aufschläge großen Druck aufbauen. Schlussendlich war Belgorod gegenüber meinem Team etwas erfahrener und löste die knappen Situationen in den engen Sätzen geschickt."

Mit der dritten Niederlage im fünften Gruppenspiel haben die BR Volleys nun keine Möglichkeit mehr, die Champions-League-Playoffs zu erreichen. Um trotzdem im CEV-Cup weiterhin auf der europäischen Bühne auf Punktejagd gehen zu können, bedarf es im abschließenden Gruppenspiel bei Arkas Izmir am nächsten Dienstag (26. Jan um 18.00 Uhr) aller Voraussicht nach eines Siegs. Roberto Serniotti glaubt an sein Team: "Wir werden in Izmir alles versuchen, um zumindest im CEV-Cup weiterspielen zu dürfen."

Die Bildergalerie zu diesem packenden Champions-League-Abend ist <<< HIER >>> einsehbar.