BR Volleys schreiben deutsche Volleyballgeschichte

Die BR Volleys haben heute Geschichte geschrieben und als erster deutscher Volleyballclub den CEV-Cup gewonnen. Dieser Titel ist nicht nur der erste Erfolg einer deutschen Mannschaft im zweithöchsten europäischen Wettbewerb, es ist auch der erste internationale Triumph der Berliner Vereinshistorie. Nach dem 3:2-Sieg im Hinspiel gewann das Team von Coach Roberto Serniotti das Finalrückspiel gegen Gazrom-Ugra Surgut in Russland klar per 3:0 (25:18, 25:18, 25:18) und kann sich somit bereits über die zweite wichtige Trophäe in dieser Saison freuen. 


2016-04-02

Foto: CEV


Trainer Roberto Serniotti vertraute auch in Sibirien auf die Erfolgsgaranten des Hinspielerfolgs. Es begannen Robert Kromm, Paul Lotman, Nicolas Le Goff, Felix Fischer, Tsimafei Zhukouski, Paul Lotman sowie Erik Shoji.

Die BR Volleys nahmen die Energie des Volleyballtempels aus dem ersten Duell am Dienstag mit nach Surgut und starteten furios. Kromm und Co schafften es erneut, viel Druck im Aufschlag zu entwickeln und brachten die Gastgeber damit in Verlegenheit (14:11). Doch damit nicht genug, denn nachdem der Kapitän noch vier krachende Aufschläge folgen ließ, war der wichtige erste Satzgewinn in Sichtweite (19:13). Serniotti brachte Francesco De Marchi ins Spiel und gab Kromm eine Pause. Das BR Volleys Team zeigte sich gegenüber dem Hinspiel in nahezu allen Bereichen nochmals verbessert und vor allem der Block um Fischer und Le Goff war für die Russen zeitweise unüberwindbar. Zudem punktete Lotman in der Endphase mehrfach mit Übersicht, sodass sich die Berliner gleich über acht Satzbälle freuen durften (24:16). Nach zwei ausgelassenen Chancen landete der Aufschlag der Gastgeber im Aus und Satz eins war gewonnen (25:18).

Die Hauptstädter knüpften im zweiten Durchgang nahtlos an ihre starke Leistung an. Mit sicherer Annahme um Libero Shoji und einem treffsicheren Kromm im Angriff blieben die Berliner das dominante Team (4:2, 8:6). Angeführt von Diagonalangreifer Chefranov schaffte Surgut zwar den Ausgleich (9:9), aber die Gäste in Schwarz konnten nochmals zulegen. Gleich zehn der nächsten dreizehn Ballwechsel gingen nach variablen Pässen von Zhukouski, erfolgreichen Angriffen über Fischer und Le Goff, sowie druckvollen Aufschlägen von Carroll und Kromm an die BR Volleys (19:12). Die ersatzgeschwächten Gastgeber wehrten sich nach Kräften, konnten aber ohne Apalikov, Bakun und ihren etatmäßigen Zuspieler Brdjovic nicht an die gute Leistung aus dem Hinspiel anknüpfen. Nach spektakulärer Rettungsaktion, einem Sprung über die Werbebande inklusive, keimte beim Gazprom-Club zwar nochmals Hoffnung auf (14:20), aber der deutsche Pokalsieger ging seinen Weg unbeirrt und konsequent weiter. Wieder war Le Goff über die Mitte erfolgreich und als Surgut-Kapitän Rodichev den Aufschlag ins Netz hämmerte, hatte der Hauptstadtclub die nächsten Satzbälle (24:17). Dieses Mal war man nicht auf die Hilfe der Russen angewiesen und Kromm verwandelte im zweiten Anlauf (25:18).

Mit diesem erneut klaren Satzgewinn war der Kampfgeist des Gegners endgültig gebrochen. Eine schnelle Führung bauten Lotman und Carroll aus (9:3) und während im Hinspiel die Schnellangriffe der Berliner noch häufig am massiven Surgut-Block scheiterten, funktionierte an diesem Tag nahezu alles. Le Goff und Fischer punkteten im Minutentakt und die BR Volleys steuerten dem ersten europäischen Titel ihrer Geschichte unaufhaltsam entgegen (13:7, 16:11). Auch eine Auszeit von Heimtrainer Khabibullin brachte die Gäste nicht aus ihrem Rhythmus. Der Druck im Aufschlag wurde aufrecht gehalten und die australisch-amerikanische Flügelzange mit Carroll und Lotman konnte regelmäßig erfolgreich vollenden (20:13). Nur kurze Zeit später standen tatsächlich sechs Championship-Points zu Buche und es kam zu einem ganz besonderen Moment. Serniotti brachte Mittelblocker Tomas Kmet nach über einmonatiger Verletzungspause ins Spiel und es kam, wie es an einem solchen Tag kommen musste: Der Slowake, der den Pokalgewinn von Mannheim noch vom Krankenbett verfolgen musste, blockte zum CEV-Cup-Sieg 2016 und damit zum ersten europäischen Erfolg der Vereinshistorie (25:18). Im Anschluss kannte der Jubel bei den BR Volleys keine Grenzen.

Cheftrainer Serniotti war nach dem Spiel überglücklich: "Wir haben heute wirklich ganz stark gespielt. Wir waren extrem fokussiert, konnten uns gegenüber dem Hinspiel nochmals steigern und haben uns auch auf die neue Formation der Russen sehr gut eingestellt. Dieses Team macht mich einfach stolz. Ich widme diesen Triumph dem gesamten Team, dass um die Mannschaft herum arbeitet. Gemeinsam haben wir heute etwas ganz Großes vollbracht."

Kapitän Kromm konnte sein Glück kaum fassen: "Jetzt haben wir tatsächlich den zweiten von drei möglichen Titeln in dieser Saison gewonnen. Das ist einfach grandios. Es war über zwei Spiele hinweg eine überragende Teamleistung. Wir widmen diesen Sieg auch unserem Teamarzt Dr. Oliver Miltner, der leider kurzfristig nicht dabei sein konnte. Jetzt lassen wir es im Hotel krachen, denn in der Arena gab es leider keinerlei Siegestrunk, deshalb müssen wir das jetzt an der Hotelbar nachholen. Das wird eine feuchtfröhliche Nacht!"

Die haben sich die Europacup-Helden mehr als verdient, ehe sie am Mittwoch im Playoff-Viertelfinale gegen CV Mitteldeutschland (06. April, 19.30 Uhr, Jahrhunderthalle Spergau) den nächsten Schritt auf ihrem Weg zu einem möglichen dritten Titelgewinn machen wollen.

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Trainer Roberto Serniotti startete mit Diagonalangreifer Paul Carroll, den Außenangreifern Robert Kromm und Ruben Schott, den Mittelblockern Nicolas Le Goff und Felix Fischer, Zuspieler Tsimafei Zhukouski sowie Libero Erik Shoji.
 
Erst am Morgen hatte die Volleyball Bundesliga aufgrund nicht erfüllter Lizenzauflagen den Abzug von sechs Punkten vom Konto der VSG Coburg/Grub bekannt gegeben, womit die Mannschaft bereits vor der Partie als Absteiger feststand. Um ihr vorerst letztes Match in der Eliteliga angemessen zu zelebrieren, waren die Oberfranken mit zahlreichen Fans nach Berlin gereist. Trotz dieser Unterstützung und eines engagierten Auftritts der Gäste erspielten sich die Hausherren schon früh einen Vorteil (8:6). Eine stabile Abwehrleistung ermöglichte es Serniottis Schützlingen ein variables und schnelles Angriffsspiel aufzuziehen, das den Gegner zunehmend unter Druck setzte (16:9). Fokussiert baute der Favorit seine Führung aus (23:14), ehe Carroll nach einem umkämpften Ballwechsel zum ersten Satzball punktete. Ein Angriff der VSG ins Aus besiegelte schließlich das ungefährdete 25:14 zugunsten der Hauptstädter.
 
Nach einer ausgeglichenen Anfangsphase (6:6) brachte Schott die Berliner mit zwei Aufschlagassen auch im Folgesatz schnell in Führung (9:6). Doch Konzentrationsfehler der Männer in Orange ließen die Gäste wieder herankommen (11:11). Mit bärenstarken Angriffen leitete der Australier Carroll schließlich den Endspurt ein (19:15, 23:16) und Arpad Baroti, kurz zuvor für Carroll eingewechselt, brachte den BR Volleys den nächsten Satzball, der im zweiten Versuch durch einen Coburger Aufschlagfehler zum 25:17 entschieden wurde.
 
Mit Sebastian Kühner für Zhukouski auf der Zuspielposition hielten die Berliner den Druck in der Folgezeit hoch und ließen das VSG-Team auch im dritten Satz nicht ins Spiel kommen. Zwar präsentierte sich Coburg kampfstark, die BR Volleys aber agierten konsequent und gingen erneut früh in Front (9:6). Zwischenzeitlich kamen die Gäste zwar bis auf einen Zähler heran (11:10), aber Kapitän Kromm brachte sein Team mit einer Aufschlagserie zurück in die Erfolgsspur (18:11). Ein letztes Aufbäumen des Absteigers (22:18) kam zu spät, denn die Hausherren wollten keineswegs in die Verlängerung. Einmal mehr war es Kromm, der per Angriff nach 70 Spielminuten zum 25:20 und 3:0-Matchgewinn vollendete.
 
VSG-Trainer Itamar Stein bilanzierte das Spiel mit gemischten Gefühlen: „Wir haben es den BR Volleys heute insgesamt zu leichtgemacht, auch wenn sie natürlich klar besser sind. Das Match war okay, aber nicht mehr. Ich denke, wir haben uns mit Anstand verabschiedet.“ Auch zur finanziellen Situation seines Vereins äußerte sich Stein: „Es war unsere Aufgabe, diese Saison auf einem wirtschaftlich soliden Fundament zu bestreiten. Das haben wir nicht geschafft. Ich hoffe, wir werden dafür in der Zukunft bessere Lösungen finden.“
 
Bei Berlins MVP Arpad Baroti fiel das Fazit am Samstag erwartungsgemäß positiv aus: „Ich freue mich sehr über diesen klaren 3:0-Erfolg. Wir hatten auf alle Coburger Bemühungen immer die richtige Antwort. Nun haben wir am Dienstag ein ganz wichtiges Spiel vor uns, für das wir alle Kräfte bündeln müssen“, lenkte der Diagonalangreifer den Fokus bereits auf das schwierige CEV-Cup-Halbfinale gegen Knack Roeselare.
 
Auch Coach Roberto Serniotti zeigte sich mit dem Hauptrundenabschluss seines Teams zufrieden: „Ich freue mich über das Ergebnis und die konzentrierte Vorstellung meiner Mannschaft. Das war ein gutes Training ohne Druck für die kommenden Aufgaben. Ich konnte wieder alle Spieler einsetzen und jeder Einzelne hat seinen Job wirklich gut gemacht.“ Auch der Italiener richtete seinen Blick bereits auf die bevorstehenden internationalen Aufgaben: „Meine Spieler sind erfahren genug und wissen um die große Bedeutung dieser beiden Spiele. Uns erwarten zwei großartige Duelle gegen eine europäische Spitzenmannschaft. Sollten wir es am Ende tatsächlich schaffen, in das Finale einzuziehen, wäre das ein riesiger Erfolg für den Verein.“ 
 
lmt