Zum Hauptinhalt springen

Deutscher Meister

Deutscher Pokalsieger

Europacup-Sieger

News

BR Volleys Story: Daniel Malescha ist mehr als der perfekte Backup

Fr 07.08.2026
Fotos: Uwe Koch, Leon Tonhäuser, Kevin Mattig, Andreas Gora, Niklas Köppen
Fotos: Uwe Koch, Leon Tonhäuser, Kevin Mattig, Andreas Gora, Niklas Köppen

Wenn Mitte Oktober die Volleyball Bundesliga in ihre 53. Saison startet, trägt Daniel Malescha erneut das Trikot der BR Volleys. Der gebürtige Münchner geht dann bereits in sein viertes Jahr in der Hauptstadt. Vom aktuellen Kader ist ihm allein Ruben Schott (9 Jahre) voraus, was die Berliner Dienstzeit angeht. Was ihre Rolle angeht, gibt es allerdings schon gewisse Unterschiede: Letzterer ist Kapitän und Stammkraft. Malescha dagegen ist es gewohnt, nicht in der Startformation zu stehen. Was seinen Wert für die Mannschaft aber nicht schmälert.

Manchmal haben die überall grassierenden Anglizismen sogar ihre Vorzüge. Wer möchte zum Beispiel gern als Ersatzspieler bezeichnet werden? Backup klingt freundlicher, nach Augenhöhe, nach der Allzeitbereitschaft, für jemand anderes in die Bresche zu springen, wenn der mal einen schlechten Tag erwischt hat. So lautet das Jobprofil von Daniel Malescha – besser gesagt, ein Teil davon. Aber ist es nicht schwer für einen gestandenen Spitzensportler, diese Situation Jahr für Jahr anzunehmen? Zumal der 32-Jährige in der Saison 2021/22 bei den United Volleys Frankfurt zum besten Diagonalen der Bundesliga gewählt wurde? 26 Länderspiele bestritten hat? „Rein sportlich, da muss man nicht drumherum reden, müsste ich eigentlich schon vor zwei Jahren gegangen sein“, sagt Malescha und lacht zustimmend. Um dann einzuschränken: „Das ist für jeden individuell. Wäre ich nicht glücklich und auf eine Weise zufrieden damit, würde ich es nicht machen. Dafür kostet es zu viel Energie und Nerven.“

2026 08 07 4

Und Berlin, so scheint es, bietet einfach zu viele gute Gründe, die ihn auch nach seiner dritten Saison überzeugt haben, sein Arbeitspapier um ein weiteres Jahr zu verlängern. Privat ist er glücklich in der Stadt. Auf dem Spielfeld ist er dreimal Deutscher Meister und zweimal Pokalsieger geworden. „Dass es mir vom Team, vom Umfeld, von den Leuten im Verein und wie das alles aufgebaut ist, so gut gefällt – das wusste ich alles nicht, als ich herkam. Dass man sich hier eben auch super wohlfühlt. Ich bin so ein bisschen ein Wohlfühlmensch. Es ist also eine Entscheidung für das Gesamtpaket“, erklärt Malescha, der viel herumgekommen ist in seiner Karriere. Bundesliga-Stationen in Coburg, Herrsching, Friedrichshafen und Frankfurt stehen in seiner Vita. Und dann, vielleicht die prägendste Saison: CS Arcada Galati. „Frankfurt war pleite, ich bekam den Job in Rumänien angeboten“, berichtet er von seiner einzigen Auslandsstation. Seine Arbeit erledigte er zur allgemeinen Zufriedenheit, wurde sogar zum ersten Mal Meister. Aber „so Söldner sein, irgendwo spielen und Geld mitnehmen? Das war nix.“ Nichts für ihn zumindest. Kein für ihn passendes Gesamtpaket. Keine Wohlfühloase.

 Das kann leicht falsch verstanden werden. Dass es sich hier einer in Berlin gemütlich macht in der zweiten Reihe. Das weist Malescha von sich. „Es ist wirklich seit langer Zeit mein Thema, dass ich meinen Job gut mache, egal was ist. Auf dem Spielfeld, aber auch im Training, was kaum jemand sieht. Ich habe dort dafür zu sorgen, dass gutes Niveau herrscht“, sagt er. Den Positionskollegen zu fordern, dass der sieht: Ich muss mich anstrengen. „So schaukelt man sich gegenseitig hoch. Das ist wichtig. Und ich habe schon Biss, bin ambitioniert. Ich denke, man sieht, dass ich hart arbeite und meine Chance suche. Es mir nicht gemütlich mache. Jeder Einsatz, den ich habe, freut mich natürlich!“ Und wenn es gefragt war, hat der Diagonalangreifer geliefert. „Das ist schon ein Geck im Team gewesen: Wenn ich auf dem Feld stand, dann war ich MVP“, wertvollster Spieler, gleich viermal in der vergangenen Saison.

2026 08 07 3

Das lobt auch BR Volleys Geschäftsführer Kaweh Niroomand: „Daniel ist ein zuverlässiger Spieler, ein ganz angenehmer Kerl und immer im Training bereit, alles zu geben. Das ist auch wichtig, damit das Niveau einer Mannschaft hoch bleibt. In einigen Spielen ist Daniel reingekommen und hatte wichtigen Einfluss auf das Ergebnis.“ Niroomand ergänzt: „Solange er die Leistung bringt wie zuletzt, ist alles gut.“

2026 08 07 5

Alle sind gespannt auf die neue Konstellation, auf den neuen Mann auf der Diagonalposition, der kommende Woche bekanntgegeben wird. Malescha macht keine großen Worte, aber auch kein Hehl daraus, dass er sich nicht in seine Situation ergibt. Rückblickend erklärt er seine ersten drei Jahre: „Bei Marek Sotola war es klar, der hatte sich hier im Vorjahr einen Namen gemacht.“ Zumal er selbst in seiner ersten Saison von einer Blinddarmoperation gebremst wurde. „Bei Jake Hanes wusste man erst nicht, wie er einschlägt. Dann war er super und hatte ein entsprechendes Standing.“ Was viel über den Menschen Malescha sagt: Er war für den Konkurrenten von Beginn an erste Anlaufstation, wenn es Fragen oder Probleme gab. Beide unternahmen viel gemeinsam, wohnten nah beieinander, wurden richtige Kumpels, und der Deutsche freute sich für den Amerikaner über dessen Karriere und (Gehalts-)Sprung zu Olympiakos Piräus. „Er fehlt mir. Auch die vielen anderen Wechsel. Aber so ist das im Sport, und für Jake war es wichtig, diesen Schritt zu machen.“

Und wenn jetzt der Neue kommt? „Ich bringe einfach weiter konstant meine Leistungen und mache mein Ding. Es gibt einen neuen Trainer. Es ist ein neues Jahr, und ein bisschen werden die Karten neu gemischt“, sagt Daniel Malescha, „klar ist, da wird jetzt kein Niemand für die Diagonale kommen. Aber ich meine mir erlauben zu können, zu sagen, dass ich auch kein schlechter Spieler bin.“ Jedenfalls bereitet sich Malescha penibel vor: „Meine Pre-Season läuft seit Längerem“, die Vorbereitung auf die Saisonvorbereitung quasi. „Man muss schauen, dass man sich fit hält, an Baustellen arbeitet, dass die nächste Saison hoffentlich beschwerdefrei wird.“ Ihn zwickte es nach der Meisterschaft leicht an der Schulter und am Knie. „Wir haben das im Griff, es ist alles nicht tragisch. Aber man muss was tun.“ Schließlich will er schon noch ein paar Jahre Volleyball spielen, in Berlin oder anderswo. Anfragen gibt es – auch von anderen Bundesligisten. „Jeder wüsste, was er an mir hat. Aber wenn man mich hier aus der Wohlfühloase weglocken wollte, dafür müsste schon alles passen“, stellt er klar. Außerdem wird er den Versuch nicht aufgeben, sich einen Startplatz zu verdienen, „wäre mal was Neues“, sagt er lachend. „Ob er auf Position eins rutschen kann, weiß ich noch nicht“, meint Niroomand, „in jedem Fall wird der Abstand zu dem neuen Spieler nicht so groß sein wie zu Jake Hanes. Der ist inzwischen allerdings einer der besten Diagonalspieler der Welt, wie er in der Volleyball Nations League jüngst bewiesen hat. Mich würde es in jedem Fall freuen, wenn es zu mehr Spielanteilen für Daniel kommen würde.“ Falls nicht, so viel ist gewiss, würde Malescha weiter verlässlich seinen Job machen, im Training ein Herausforderer sein, im Spiel von außen seinen Kontrahenten unterstützen, so gut es geht. Mehr als ein perfekter Backup eben.

Wer Daniel Malescha und das neu formierte BR Volleys Team regelmäßig in Aktion sehen möchte, kann sich jetzt noch die Saisonkarte 2026/27 mit allen Vorteilen im Ticketshop sichern: www.br-volleys.de/tickets

2026 08 07 2

News teilen