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Felix Dossow-Fischer: „Ich erwarte Spektakel"
Felix Dossow-Fischer ist eine Berliner Volleyball-Legende, sein Trikot mit der Nummer 6 hängt unter der Decke der Max-Schmeling-Halle. 13 Spielzeiten lang trug er die Farben des SCC Berlin und der Berlin Recycling Volleys. Als der 42-Jährige seine Karriere 2017 beendete, tat er dies als sechsmaliger Deutscher Meister. Nach wie vor beobachtet der inzwischen verheiratete Familienvater das Geschehen in seinem Sport und kommentiert bei Dyn Bundesliga- und Pokalspiele. Vor dem Champions-League-Auftakt am Donnerstag (11. Dez um 19.30 Uhr) gegen Guaguas Las Palmas erinnert sich Dossow-Fischer an internationale Highlights mit den BR Volleys, analysiert ihre Gegner in der Hauptrunde und die Chancen, das Achtelfinale zu erreichen.
Felix, wie viele Champions-League-Spiele hast du bestritten, weißt du das eigentlich?
Felix Dossow-Fischer: „Ne, genau weiß ich das nicht. Es mögen an die hundert gewesen sein.“
Einer deiner Gegner von damals tritt am Donnerstag hier mit Guaguas Las Palmas im Volleyballtempel auf…
Dossow-Fischer: „…es sind sogar zwei. Zum einen natürlich Osmany Juantorena, aber auch gegen den Belgier Tomas Rousseaux habe ich schon gespielt.“
Beide sind Außenangreifer, welche Erinnerungen hast du an sie?
Dossow-Fischer: „Rousseaux war eine Saison in Friedrichshafen, an ihn habe ich keine großen Erinnerungen. An Juantorena schon. Er war damals in Civitanova, als wir hier in unserer Halle gegen die Italiener gewonnen haben. Das war 2016/2017, als wir sogar das Final Four in Rom erreichten. Dort haben wir allerdings gegen Civitanova das Spiel um Platz drei verloren. Er hat gern diesen typisch italienischen Glanz auf das Feld gebracht, sich nach guten Aktionen kräftig gefeiert. Nach dem Motto: Ich bin der Beste und Größte. Er hat wirklich immer seine Punkte gemacht. So, wie Las Palmas jetzt durch die Qualifikation marschiert ist, muss er wohl auch mit 40 Jahren noch ganz gut drauf sein. Vielleicht hat er nicht mehr ganz die Qualität von früher. Sehr wichtig ist er trotzdem, kann den anderen mit seiner unglaublichen Erfahrung in schwierigen Momenten Ruhe geben. Den bringt nichts so schnell aus der Fassung.“

Was sind denn deine schönsten Erinnerungen aus knapp 100 Spielen Champions League?
Dossow-Fischer: „Alle Heimspiele, egal ob in der ehrwürdigen Sömmeringhalle oder später in der Max-Schmeling-Halle. Das waren immer Höhepunkte, etwas ganz anderes als Ligaspiele. Wir haben früher auch nur bei diesen internationalen Duellen auf Taraflex-Boden gespielt. In der Sömmeringhalle war der orangefarben, das allein war schon ein besonderes Gefühl. Natürlich, das Final Four hier bei uns in Berlin, das waren Highlights ohne Ende. Das Beste, was man haben konnte. Wir sind zu Hause vor 9.000 Zuschauern auf Platz drei gelandet, das war mega. Dann folgte die Saison, in der wir zweimal gegen Dynamo Moskau gewonnen haben und anschließend nach Rom durften, das war auch besonders. Sonst haben wir gegen russische Teams kaum etwas geholt. Wenn ich nur an die Reisen denke – als wir nach Nowosibirsk geflogen sind, ging es über Moskau, wo wir sechs Stunden Aufenthalt hatten. In Griechenland war immer ein besonderes Feeling in der Halle. Die Fans dort kennen nur ihr Team, das steht über allem. Wir wurden ausgebuht, mit Müll beworfen, mit Zigarettenkippen beschnipst. Damals wurde in den Hallen noch geraucht. Verrückt.“
Und dieses Jahr? Wie schätzt du die Berliner Gruppe ein?
Dossow-Fischer: „Las Palmas musste durch die Qualifikation, sie sind da sehr überzeugend aufgetreten. Die Punkte gegen sie brauchen wir trotzdem, um weiterzukommen. Da lastet gleich im ersten Spiel zu Hause natürlich sehr viel Druck auf den BR Volleys. Dann haben wir Prag, sie sind die große Unbekannte, es ist eigentlich eine Pflichtaufgabe, da bloß nichts liegen zu lassen. Und Perugia? Was soll ich sagen, da kann man sich glücklich schätzen, wenn man vielleicht zu Hause eine Sensation schafft. Jeder Punkt kann wichtig werden, um für die Playoff-Runde eine gute Ausgangsposition zu erlangen. Für den direkten Weg ins Viertelfinale bräuchtest du jeweils zwei Siege gegen Prag und gegen Las Palmas und müsstest auch noch irgendwie Perugia knacken. Das ist eine Herkulesaufgabe. Aber erstmal erwarte ich Spektakel gegen Las Palmas.“
Bisher verlief die Saison der Mannschaft von Trainer Joel Banks nicht nach Wunsch. Sind diese Siege, die du da aufzählst, überhaupt realistisch?
Dossow-Fischer: „Es steht jetzt eine Woche mit schweren Spielen und Entscheidungen an. Gegen Las Palmas, eine Woche später Pokal-Halbfinale in Friedrichshafen – es geht um sehr viel, der Druck ist groß. Von der Papierform her sollten zwei Siege möglich sein. Ich bin sicher, die Jungs können das, müssen es bloß zeigen. Nur haben wir ja schon gesehen, dass die Mannschaft zu Saisonbeginn mehrfach gestolpert ist. Zuletzt lief es besser, aber man hat immer noch das Gefühl, da fehlen ein, zwei Prozent. Solche Schwächen darf man sich jetzt nicht leisten, das kann einen ganz schnell das Weiterkommen in der Champions League kosten. Sie müssen als Team gut vorbereitet, locker genug und doch hochkonzentriert sein.“
Seit 2017 hat es nicht mehr mit dem Halbfinale geklappt, trotz aller Anstrengungen und vieler guter Spiele. Wird es diesmal was?
Dossow-Fischer: „Ich finde, es war oft Lospech dabei, dass wir die absoluten Top-Favoriten in der K.o.-Runde hatten. Andererseits: Wer die Champions League gewinnen will, muss alle schlagen. Es wird auf jeden Fall wieder sehr interessant. Und die Niederlagen machen Teams auch stärker. Wenn du es schaffst, die Probleme zu lösen, geht die Mannschaft gestärkt daraus hervor. Das macht ein gutes Team aus.“
Tickets für das Duell BR Volleys vs. Guaguas Las Palmas: www.br-volleys.de/tickets
