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„Wir hätten nicht erwartet, bei der WM dabei zu sein“

Do 13.11.2025
Fotos: Florian Schroetter, volleyballworld
Fotos: Florian Schroetter, volleyballworld

Louisa Lippmann hat schon wieder ein aufregendes Jahr hinter sich – und vielleicht die tollste Erfahrung der Saison noch vor sich: Am 14. November beginnen in Adelaide die Beachvolleyball-Weltmeisterschaften. Die 31-Jährige, die seit Anfang 2024 für die Berlin Recycling Volleys startet und an der Seite von Laura Ludwig im selben Jahr die Olympischen Spiele in Paris erreichte, hat sich nun mit Linda Bock für das Turnier der 48 besten Teams der Welt qualifiziert. Vor dem Abflug nach Australien sprach sie über den Start mit ihrer neuen Partnerin, ihre Erwartungen an die WM und die unvergesslichen Emotionen von Frankreich.

Louisa, einen Beachvolleyball-Profi zu fragen, ob er schon mal in Australien war, erübrigt sich vermutlich…
Louisa Lippmann (unterbricht): „Nein, da war ich tatsächlich noch nie. Und ich habe viel Respekt vor dem Land, wenn ich höre, was es da so für Viecher gibt.“

Stimmt, baden gehen ist dort nicht ganz ungefährlich. Im Meer lauern die Haie, in Seen die Krokodile.
Lippmann: „Ach, was da im Wasser ist, das bereitet mir gar nicht so viele Sorgen. Bei mir sind es eher die Spinnen. Das ist meine Panik. Ich bin aber sehr gespannt auf Australien.“

Natürlich auch wegen der WM. Wie lief bisher euer Jahr aus deiner Sicht? Linda kommt wie du aus der Halle, war dort wie du Nationalspielerin. Aber euer erstes Turnier am Strand habt ihr im März in Mexiko gespielt, elf weitere folgten bisher. Und nun seid ihr schon 17. der Weltrangliste und bei den Besten dabei.
Lippmann: „Über die letzten beiden Turniere sind wir nicht so happy, in Kapstadt wurden wir Neunte, in Newport Gruppenletzter. Dabei geht es gar nicht so groß ums Ergebnis, sondern eher darum, wie wir gespielt haben. Das nagt an uns. Nach dem Eliteturnier im August in Hamburg mussten wir eine Zwangspause einlegen, weil Linda eine entzündete Schulter hatte. Jetzt merken wir: Wir waren da schon in einem guten Flow. Nach so einer Unterbrechung ist es echt schwierig, diesen Rhythmus wieder aufzunehmen. Aber alles in allem war es ein echter Kickstart. Es war nicht unbedingt meine Erwartung, dass wir es schaffen, uns für die WM zu qualifizieren, zwei Medaillen bei Challenger-Turnieren zu holen, sogar einmal zu gewinnen, bei einem Elite-Turnier ohne Quali direkt ins Hauptfeld zu kommen. Das ist schon eine sehr steile Tendenz gewesen. Alles in allem können wir sehr, sehr zufrieden auf das Jahr gucken.“      

Wieso ging das so schnell?
Lippmann: „Was wir nicht gedacht hätten: Auf dem Feld hat es sich sehr schnell sehr natürlich angefühlt. Wo es nicht viel gebraucht hat, wo jeder so seinen Part übernimmt, in Abwehr, Sideout usw. Das war krass und hat mich sehr überrascht. Ich dachte, wir würden mehr damit zu kämpfen haben. Jetzt bei den letzten beiden Turnieren spielte eher das Mentale eine Rolle. Wenn wir erst in unseren Spielrhythmus finden, sind wir auf jeden Fall ein Team, gegen das es unangenehm ist zu spielen. Da müssen wir wieder hinkommen. Das ist jetzt auch das Ziel, die paar Stellschrauben, an denen man drehen kann, in die richtige Richtung zu drehen.“

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Die WM beginnt für euch im Pool H am 15. November gegen Maria Gonzalez/Allanis Navas aus Puerto Rico. Tags darauf folgt das Spiel gegen Brenda Churin/Morena Abdala aus Argentinien. Und am Montag das deutsche Duell gegen die Weltranglistensechsten Svenja Müller/Cinja Tillmann. Wie sind eure Erwartungen und Hoffnungen?
Lippmann: „Dass wir in der Gruppe gegen Tillmann/Müller spielen, ist eher so semi-toll. Andererseits treffe ich lieber auf ein deutsches Team in der Gruppe als in K.-o.-Runden. Auch die anderen beiden werden wir bestimmt nicht unterschätzen. Wir sind generell keine Fans von Platzierungszielen. Das Ziel ist: Wir wollen unseren besten Beachvolleyball spielen, den wir gerade haben. Ich persönlich wünsche mir, dass wir es schaffen, wirklich mit Freude und Leichtigkeit aufs Feld zu gehen und zu spielen. Man darf nicht eine zu hohe Erwartungshaltung haben. Für unser erstes Jahr und unsere erste WM wäre das ungesund und schade um so eine Erfahrung. Wenn wir dann noch bedenken, wo wir herkommen: Linda kam aus einer schweren Verletzung, und sie hat lange ausgesetzt. Ich war in einem tiefen Loch nach den Olympischen Spielen in Paris. Danach ist man nur noch leer.“

Trotzdem willst du wieder hin, dich mit Linda für die Olympischen Spiele 2028 in Los Angeles qualifizieren. Wie läuft denn die Zusammenarbeit mit ihr?
Lippmann: „Ich bin mehr so der verkopfte, Linda mehr der verspielte Typ. Sie ist eine verschmitzte Spielerin, bringt so eine Leichtigkeit mit aufs Feld. Zugleich weiß ich, dass sie immer kämpft, sie ist eine unglaubliche Kämpfernatur. Auch wenn es mal nicht so läuft, sie geht immer all in. Ich war wahnsinnig überrascht, wie schnell sie teilweise Schritte gemacht hat. Wo ich dachte: Wow, das hat sich bei mir holpriger angefühlt bei der Umstellung von der Halle an den Strand.“

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Die Frage bietet sich irgendwie an, schon wegen der vielen Ls darin: Ist Louisa in dieser neuen Konstellation die Laura und Linda die Louisa?
Lippmann: „Die Frage kriege ich häufig gestellt. Ich mag sie nicht. Die Antwort ist: nein! Dann würde ich mich ja mit Laura auf eine Stufe stellen, und das passt vom Erfolg wie vom Erfahrungsschatz im Beachvolleyball einfach nicht. Für mich sind ja auch noch viele Situationen neu. Der Run auf Olympia war so krass, dass ich rechts und links nicht viel mitbekommen habe. Jetzt habe ich selbst gerade so viele Prozesse am Laufen, dass ich die Frage gern verneine. Es ist es so eine Art Herausfinden, was für eine Art Athletin ich als Beachvolleyballerin bin. Sicher habe ich einen kleinen Vorsprung in Sachen Erfahrung im Vergleich zu Linda. Da versuche ich auch zu helfen. Aber ich bin nicht Laura.“

Was war das Wichtigste, was du von Laura lernen konntest?
Lippmann: „Sie hat mir ihren krassen Fokus sehr gut vorgelebt. Der war schon ein Laser-Fokus. Laura hat geradezu gebetsmühlenartig wiederholt, dass ich immer wieder den Fokus in den nächsten Ball reinlegen soll. Und dass ich trotzdem dabei nicht zu verbissen sein darf, sondern das Leben auch genießen soll. Auch da war Laura eine sehr gute Lehrerin.“

Es war in einem Artikel über euch zu lesen, dass du anfangs hohe Erwartungen an dich selbst gestellt hast wegen deiner neuen Rolle neben Linda. Dass du deshalb oft sehr angespannt warst. Du bist schließlich die Erfahrenere, sie ist noch sehr neu in der Szene. Ist das mittlerweile ausgestanden?
Lippmann: „Ne – das kommt immer wieder durch. Das ist nicht hilfreich. Ich glaube, dass ich generell sehr viel an meiner Erwartungshaltung arbeiten muss. Ich lerne beim gegenseitigen Kennenlernen noch, wie meine Rolle überhaupt aussieht. Was braucht das Team von mir? Es gibt ein ganz anderes Profil als vorher. Ich kann nicht das sein, was Laura war. Weil ich eine andere Person bin, einen anderen Lebenslauf hab. Trotzdem habe ich drei Jahre gespielt, viel erlebt. Aber diese Angespanntheit hat generell etwas mit meiner Erwartungshaltung zu meiner Leistung zu tun.“

Du warst nicht im reinen mit dir nach Paris, richtig?
Lippmann: „Nein, auf gar keinen Fall. Ich habe tatsächlich ein bisschen unterschätzt, wie groß die Bedeutung dieser fünf Ringe ist. Einerseits ist da eine riesige Freude, dort dabei zu sein. Aber wenn du dann auf diesem Platz vor dem Eiffelturm stehst, am schönsten Ort in Paris zum Sportmachen? Das war schon ein großer Druck. Ich glaube im Nachhinein, die Quali auf dem Weg dahin hat uns zu viele Körner gekostet. Die Erleichterung, es geschafft zu haben in einem entscheidenden Spiel gegen ein anderes deutsches Team. Der Umgang mit meinen ersten Olympischen Spielen, mit Lauras letzten – das war emotional so krass aufgeladen! Ich habe mich da selbst nicht wiedererkannt.“

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Ein Feuerwerk an Emotionen?
Lippmann: „Ich habe noch nie so viele Gefühle auf einmal gehabt wie dort. Auch wenn es sportlich wirklich schlecht lief, die Veranstaltung an sich ist so besonders. Man möchte irgendwie nicht weg, ist gleichzeitig beschämt über seine Leistung. Man teilt mit ganz vielen Sportlern ähnliche Momente und Emotionen. Das schweißt sehr zusammen. Von den Zuschauern kommt auch so viel Gefühl und Impact. Ich kannte meine Familie vorher auch gar nicht so emotional angefasst, das ging schon bei der Reise nach Paris los. Deswegen hoffe ich auch ganz, ganz doll, dass wir es schaffen, Olympia nach Deutschland zu holen. Wir sind so gespalten in vielen politischen Themen, national und auf der ganzen Welt. Ich glaube, Sport ist eines der ganz wenigen Instrumente, wo wir es noch schaffen, Leute gemeinsam für etwas zu begeistern. Da ist es auch vollkommen egal, wer woher kommt. Wer welche Hintergründe im Leben hat. Du gehst da hin, weil du einfach Freude an dem Event hast, an den Sportlern, an der Sportart. Ich wünsche es mir so sehr für Deutschland, dass wir es schaffen, Olympia nach Deutschland zu holen. Dass jeder das mal erleben darf. Die Abstimmung vor Kurzem in München war ja ein positives Zeichen, was die Stimmung in Deutschland betrifft. Und Berlin hat mit Kaweh Niroomand einen sehr guten Sprecher für die Olympia-Bewerbung. Ich hoffe, die Leute hören auf ihn und vertrauen ihm.“

Die Vorrundenspiele von Lippmann/Bock:
15. Nov | Sa | 4.30 Uhr | Gonzalez/Navas (PRI)
16. Nov | So | 10.00 Uhr | Churin/Abdala (ARG)
17. Nov | Mo | 5.30 Uhr | vs. Müller/Tillmann

Spielpläne und Ergebnisse bei volleyballworld: https://en.volleyballworld.com/beachvolleyball/competitions/beach-volleyball-world-championships/schedule/#fromDate=2025-11-13

Spontent überträgt auf Twitch die deutschen Spiele im Livestream: https://www.twitch.tv/spontent

Volleyballworld überträgt alle Spiele der WM im kostenpflichten Livestream: https://tv.volleyballworld.com

Mehr zur Berliner Olympia-Initiative: https://www.lsb-berlin.de/die-spiele-fuer-berlin

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