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Als Ruben Schott mit Toilettenpapier begrüßt wurde

Mo 19.01.2026
Fotos: Michele Benda, Andreas Gora
Fotos: Michele Benda, Andreas Gora

Mit dieser Konstellation war zu Saisonbeginn nicht unbedingt zu rechnen: Die BR Volleys reisen in ihrem dritten Champions-League-Spiel am Mittwoch (21. Jan um 20.30 Uhr) als Tabellenführer zum Titelverteidiger Sir Sicoma Monini Perugia, der ebenfalls bisher zwei Siege feierte, doch mit einem Satzverlust mehr Rang zwei in der Vorrundengruppe C belegt. Beim Gastspiel in Umbrien können sich Mannschaft und Berliner Fans einen Vorgeschmack auf das „Spiel des Jahres“ holen, wenn der Klubweltmeister am 18. Februar in den Volleyballtempel kommt (www.br-volleys.de/tickets). Der Berliner Kapitän Ruben Schott beschreibt die besondere Stärke der Italiener und erinnert sich an seine beiden Auftritte im Pala Barton von Perugia.

Toilettenpapier, jede Menge Toilettenpapier. Diese etwas eigenwillige Art der Begrüßung hat Ruben Schott noch im Kopf, wenn er an seinen ersten Auftritt  in Perugia denkt. „Die haben das nicht persönlich gemeint, das hatte bei denen anscheinend Tradition“, erzählt er lachend. In der Saison 2017/2018 war das, als er im Trikot von Powervolley Mailand auflief. Ein Jahr, in dem Schott viel gelernt hat über die besondere Rolle, die der Volleyball in Italien spielt – nicht nur in Papierform. Großes Interesse, große Professionalität, große Budgets, mindestens ein halbes Dutzend Topteams, bei denen sich internationale Stars tummeln. Aber auch viele einheimische Spieler, die aufgrund einer Ausländerregelung in der Serie A früh Verantwortung übernehmen. Drei von ihnen müssen immer auf dem Feld sein. Dementsprechend gut werden sie bezahlt. „Es ist deshalb eine Seltenheit, dass die Italiener ihre Liga verlassen. Eher wechseln die Topleute von einem Spitzenverein zum anderen.“ Die Quote gilt allerdings nicht für den internationalen Wettbewerb, deshalb haben Klubs wie Sir Sicoma Monini Perugia, Trentino Itas Volley oder Cucine Lube Civitanova eben außerdem so viele Profis aus aller Herren Länder.

Das gilt auch für Perugia, „die haben einen unheimlich breiten Kader“, so Schott. Den 3:2-Sieg vor zwei Wochen bei Guaguas Las Palmas (ESP) sicherten im Tiebreak vor allem die Argentinier Agustin Loser und Sebastian Solé, der Ukrainer Oleh Plotnytskyi, der Japaner Yuki Ishikawa und der Tunesier Wassim Ben Tara. Eine herausragende Stärke der italienischen Liga sieht Schott in Aufschlag und Annahme. „Plotnytskyi schlägt unheimlich gut auf“, sagt der BR Volleys Kapitän, „und das können auch die anderen. Dabei machen sie wenige Fehler, sind sehr konstant.“ Diese Stärke zahlt sich schon im Training aus, weil dadurch gleichzeitig die Annahme auf höchstem Level verbessert werden kann. In den Punktspielen dann sowieso. Was laut Schott dazu führt, dass die Arbeit für Zuspieler Simone Gianelli einfacher wird. „Er ist einer der Besten der Welt auf seiner Position. Wenn der nach Lust und Laune die Bälle verteilen kann, dann wird es sehr schwer für uns, gerade bei der Physis, die sie in ihrem Team haben.“

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Nun scheint es trotzdem nicht so, dass der dreimalige und aktuelle Vereinsweltmeister unverwundbar ist. Im ersten Spiel daheim gegen VK Lvi Prag (CZE) wurde ein Satz abgegeben, auf den Kanaren folgte danach gar ein Punktverlust. Superoptimisten könnten jetzt vorrechnen, dass nach einem verlorenen, dann zweien nun ja drei folgen müssten. Ruben Schott schmunzelt: „Das wäre natürlich schön, da würden wir uns alle sehr drüber freuen.“ Es wäre allerdings eine Volleyball-Sensation. „Das ist natürlich auswärts noch schwieriger als bei uns zu Hause.“ Der Kapitän weiß jedenfalls, wie zumindest ein Duell auf Augenhöhe möglich wäre: „Wir müssen mutig sein und hoffen, dass wir einen guten Tag von der Aufschlaglinie erwischen. Und selbst natürlich die Annahme halten. Wir müssen an unser Limit kommen.“

Eines könnte für die BR Volleys sehr hilfreich sein: „Sie sind ohne Frage ein sehr harter Gegner. Wenigstens können wir dadurch befreit aufspielen. Es sind umgedrehte Rollen – den Druck, den wir in der Bundesliga haben, den haben wir in diesen Spielen nicht. Wir haben mal nichts zu verlieren. Dazu macht es unheimlich viel Spaß, sich mit solchen Gegnern zu messen.“ So war es bereits 2023, als die BR Volleys im Champions-League-Viertelfinale vor mehr als 8.000 Fans daheim 1:3, auswärts aber nur 2:3 unterlagen. An jenes Rückspiel erinnert sich Ruben Schott natürlich auch noch, zumal er und sein Team in Italien 2:1 in Führung lagen, nicht zuletzt, weil Superstar Wilfredo Leon körperliche Probleme hatte und deshalb von Perugia zunächst geschont wurde. Als es eng wurde, musste der Kubaner (mit polnischem Pass) dennoch ran. Fast im Alleingang erstickte er die Berliner Hoffnungen auf einen „Golden Set“. „Er kam rein, hat gleich abgeliefert und das Spiel gedreht. Das war schon etwas bitter für uns“, sagt Schott, „andererseits haben wir uns mit dem 2:3 achtbar geschlagen.“

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Ausnahmekönner Leon hat schon häufiger in seiner Karriere die internationalen Träume der BR Volleys beendet, insbesondere im Trikot von Zenit Kasan (RUS) bei den zwei Berliner Final-Four-Teilnahmen. Und doch sind es genau solche Gegner und Matches, die das Volleyballpublikum in der Hauptstadt in ihren Bann ziehen. Entsprechend groß ist die Vorfreude bereits jetzt auf das Rückspiel, wenn Gianelli, Ishikawa & Co Mitte Februar in der Max-Schmeling-Halle aufschlagen. Sollte es auswärts noch nicht gelingen, den hohen Favoriten ins Wanken zu bringen, ruhen die Hoffnungen auf dem Heimvorteil am letzten Spieltag. „Wenn wir mit der vollen Energie unserer Fans, unseres Hallensprechers Karsten und des Teams ins Match gehen, kann etwas gehen. Da glaube ich fest dran. Aber zuerst versuchen wir es ohne Druck auswärts in Italien“, hat Schott Lust auf die großen Herausforderungen gegen den amtierenden Champions-League-Sieger.  

Tickets für das „Spiel des Jahres“ am 18. Feb um 19.30 Uhr gibt es unter: www.br-volleys.de/tickets

Streaming
Alle Spiele der CEV Champions League werden in Deutschland auf Sporteurope.tv übertragen – die Matches mit deutscher Beteiligung auch mit Kommentar. Der „All Access“-Pass für die Wettbewerbe der Frauen und Männer kostet 45,00 € für die komplette Saison. Mit „Pay-per-view“ hat man für 6,00 € Zugriff auf ein einzelnes Spiel: https://sporteurope.tv/cev-champions-league-volley-maenner

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