News
Warum Volleyball in Giorgio Armanis Geburtsstadt wieder in Mode ist
Wie ein Abstieg fühlt sich das irgendwie ganz und gar nicht an. Die Berlin Recycling Volleys haben die Playoffs der Champions League nach dem 0:3 gegen Titelverteidiger Sir Sicoma Monini Perugia um einen einzigen Satz verpasst und spielen nun im Viertelfinale des vermeintlich zweitklassigen CEV Cups weiter. Doch dort wartet in Hin- und Rückspiel (4. Mrz um 19.30 Uhr in der Max-Schmeling-Halle, 11. Mrz um 19.30 Uhr im Palabanca) mit Gas Sales Bluenergy Piacenza das nächste italienische Topteam.
Um die noch recht junge und vermutlich gerade deshalb sehr erfolgshungrige Mannschaft aus der Region Emilia-Romagna sportlich kurz einzuordnen: In der heimischen SuperLega besiegten die Norditaliener am vergangenen Sonntag Itas Trentino, Champions-League-Sieger von 2024, mit 3:1. Eine Woche zuvor hatten sie deren Nachfolger in Perugia am Rande der Niederlage, mussten sich erst im Tiebreak geschlagen geben. Zwischendurch warf Piacenza im CEV-Pokal-Achtelfinale Jastrzebski Wegiel aus Polen (mit dem Ex-Berliner Anton Brehme) durch zwei 3:1-Siege aus dem Wettbewerb. Man kann sagen: Läuft! Trotz dieser Resultate gibt sich Domenico Pace jedoch lieber zurückhaltend im Hinblick auf das Duell mit Berlin: „Natürlich wollen wir so weit wie möglich kommen, und wir tun alles, was wir können, damit das passiert“, sagt der Libero von Gas Sales Bluenergy, „aber das spielerische Niveau ist in dieser Phase des Wettbewerbs sehr hoch. Es gibt keine einfachen Spiele, jeder einzelne Punkt kann den Unterschied ausmachen.“

Domenico Pace (8) legte in der SuperLega einen rasanten Aufstieg hin.
Routine im Gewinnen auch. Pace ist 25 Jahre jung, aber schon Weltmeister mit seiner Nationalmannschaft sowie Italienischer Meister und Champions-League-Sieger mit seinem Ex-Verein Trentino. In Piacenza gehört er nun zu einer Auswahl, in der etliche aufstrebende Profis stehen, wie Paolo Porro (25), vergangene Saison als bester Zuspieler in der Serie A gekürt. Oder Mittelblocker Francesco Comparoni (24), Nachwuchs-Welt- und Europameister. Dazu kommen vielversprechende Talente aus anderen Ländern wie der Kubaner José Miguel Gutiérrez Suárez (24), der Türke Ramazan Efe Mandiraci (23), der Brasilianer Lukas Bergmann (21), alle im Außenangriff, und der Franzose Henri Léon (22) als Diagonalangreifer. Die Jugend wird allerdings nicht allein gelassen, sondern angeführt von solchen Routiniers wie Zuspieler Dragan Travica (40) und dem Star der Mannschaft, dem kubanischen Mittelblocker Robertlandy Simón (38). Das Konstrukt aus Jung und Alt scheint sich im Laufe der Saison gefunden zu haben und immer besser zu funktionieren. Nicht von ungefähr steht der Klub auf Rang fünf der enorm starken SuperLega. Erstaunlich gut scheint das Team sogar den Ausfall des an Krebs erkrankten Doppelweltmeisters Gianluca Galassi im Mittelblock zu verkraften.
Dass der Klub so erfolgreich dasteht, ist einerseits erstaunlich, denn er wurde erst 2018 gegründet. Andererseits ist er Nachfolger des im selben Jahr wegen finanzieller Schwierigkeiten aufgelösten Vorgängervereins Copra Piacenza, der 2008 sogar das Finale der Champions League erreicht hatte. Der lokale Energieanbieter Gas Sales Bluenergy stieg als Hauptsponsor ein; so konnte schnell die Rückkehr ins italienische Oberhaus in Angriff genommen und vollzogen werden. Der Aufstieg gelang übrigens mit Coach Massimo Botti, der seit Januar dieses Jahres Bundestrainer der deutschen Männer-Nationalmannschaft ist. Er hat selbst fünf Jahre in seiner Geburtsstadt gespielt und führte den Klub 2023 als Trainer auch zum bisher einzigen Pokalsieg in Italien.
Der Volleyball hat also eine große Tradition in der gut 100.000 Einwohner zählenden Stadt in der wirtschaftlich starken Region in der Po-Ebene. Im mehr als 2000 Jahre alten Piacenza geboren sind aber auch etwa der Modeschöpfer Giorgio Armani und mit Filippo Inzaghi ein Fußball-Star, der 2006 in Berlin Weltmeister wurde. Seine Karriere begann er bei Piacenza Calcio. Der Verein ist inzwischen nur noch viertklassig, Gas Sales Bluenergy dagegen will im Volleyball weiterhin möglichst weit oben mitspielen. Am liebsten gleich auch in Europa. Eine internationale Trophäe fehlt den Italienern noch.

Umso konzentrierter geht die Mannschaft ihre Aufgabe im CEV Cup an. Zumal in der zweiten Runde des Wettbewerbs ein Golden Set (19:17) beim tschechischen Kontrahenten Ceske Budejovice fürs Weiterkommen nötig war. Bei aller individuellen Qualität: Unschlagbar sind die Italiener nicht. Nun stehen im Viertelfinale die BR Volleys ihren Träumen sportlich im Wege. Domenico Pace spricht mit großem Respekt über den kommenden Gegner: „Ich habe mir einige Highlights von Berliner Spielen angeschaut“, sagt er, „sie sind ein sehr starkes und gefährliches Team. Das wird zweifellos eine große Herausforderung. Aber wir sind bereit, sie anzunehmen und alles auf dem Feld zu geben.“ Eine besondere Erinnerung hat er an die deutsche Hauptstadt, denn Pace war vor zwei Jahren schon einmal mit Itas Trentino im Volleyballtempel zu Gast: „Ich werde nie vergessen, wie ich mit Trento dort gespielt habe. Die Atmosphäre in der Arena war absolut einmalig. Solche Momente bleiben für immer und machen diese europäischen Wettbewerbe unvergesslich.“
Tickets für das Duell BR Volleys vs. Gas Sales Bluenergy Piacenza: www.br-volleys.de/tickets
