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Kaweh Niroomand: „Natürlich haben wir gegen Piacenza eine Chance“
Auf Perugia folgt Piacenza. Die BR Volleys empfangen im Hinspiel des CEV Cup-Viertelfinals am Mittwoch (04. Mrz um 19.30 Uhr, www.br-volleys.de/tickets) Gas Sales Bluenergy Piacenza, den vermeintlichen Favoriten des Wettbewerbs. Geschäftsführer Kaweh Niroomand erklärt die Gründe für das Ausscheiden aus der Champions League und warum er seine Mannschaft nicht als krassen Außenseiter gegen die Italiener sieht.
Kaweh, zum ersten Mal seit zehn Jahren geht es für die BR Volleys international nach der Gruppenphase der Champions League im CEV-Pokal weiter. Mildert es ein bisschen deinen Schmerz, dass nun im Viertelfinale mit Gas Sales Bluenergy Piacenza gleich ein Gegner wartet, der ebenfalls Champions-League-Format hat?
Kaweh Niroomand: „Zunächst ist es natürlich immer schön, sich mit solchen großen Mannschaften zu messen. Ich sehe das aber mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Wenn ich mir den Rest der Viertelfinalisten anschaue, hätte es für uns vielleicht die Möglichkeit gegeben, jetzt in diesem Wettbewerb etwas zu reißen. Nun haben wir gleich den härtesten Gegner gekriegt. Da kann man von Lospech sprechen. Wobei es natürlich ein Ereignis ist, gegen Piacenza zu spielen.“
Vor zehn Jahren hatten wir tatsächlich mal mehr Losglück. In der anderen Hälfte des Tableaus haben sich Perugia, Dynamo Moskau und das sibirische Team von Gazprom-Ugra Surgut um den Finalplatz gestritten; die BR Volleys mussten sich gegen Sastamala aus Finnland und Roselaere aus Belgien durchsetzen und haben am Ende ihren ersten internationalen Titel gewonnen.
Niroomand: „Stimmt, es gab früher auch schon mal gute Jahre beim Auslosen. Man sollte sich darüber aber keine großen Gedanken machen. Wir müssen die Spiele positiv angehen, einen guten Abend erwischen und konsequent spielen – dann haben wir auch eine Möglichkeit.“
Dann siehst du die BR Volleys gegen Piacenza nicht als krassen Außenseiter?
Niroomand: „Nein, natürlich haben wir eine Chance, gerade zu Hause. Wenn man sich die Sätze am Anfang ansieht, wie wir gegen Perugia gespielt haben, waren die ja auch nicht von einem anderen Stern. Da haben wir schon gut mitgehalten. Nur, je länger die Sätze dauerten und Perugia den Druck aufrechterhalten konnte, sind sie davongezogen. Das ist nun mal ihre Klasse. Ob Piacenza das auch so gut kann, wage ich zu bezweifeln. Und darin liegt vielleicht eine Chance für uns.“
Das klingt ein bisschen so, als wäre die Enttäuschung, aus der Königsklasse ausgeschieden zu sein, schon ein wenig abgeflaut.
Niroomand: „Es ist kein Beinbruch, im CEV-Pokal zu spielen, das ist ja auch ein attraktiver Wettbewerb. Außerdem gehört es zu einer sportlichen Entwicklung dazu, dass es auch mal kleine Stopps gibt. Daraus muss man lernen, Konsequenzen ziehen, etwas verändern, und dann geht es wieder nach vorn.“
Welche Lehren ziehst du denn?
Niroomand: „Ausgeschieden sind wir nicht im letzten Spiel gegen Perugia, entscheidend war das Spiel davor bei Guaguas Las Palmas. Da dürfen wir nicht verlieren, schon gar nicht 1:3. Deshalb müssen wir für die Zukunft sehen, an welchen Stellen wir die Mannschaft verändern und verstärken. Kurzfristig, und das ist jetzt viel interessanter, glaube ich, wir sind trotzdem auf einem guten Weg. Auch auf Las Palmas haben wir den ersten Satz super gespielt, den zweiten über weite Strecken genauso. Dann brach alles auseinander. Wir müssen vielleicht im Training noch mehr Stresssituationen üben, damit wir nicht in solchen Momenten immer wieder den Faden verlieren. Die individuelle Qualität der einzelnen Profis ist fast gleich wie bei der Mannschaft der vergangenen Saison. Und die hat in Deutschland alles gewonnen. Wir müssen noch mehr daran arbeiten, konsequenter zu bleiben, in Stresssituationen nicht den Kopf zu verlieren.“
Dazu kommt Verletzungspech. In dieser Phase auf zwei von vier etatmäßigen Mittelblockern verzichten zu müssen, ist hart.
Niroomand: „Ja, richtig, besonders Nehemiah Mote fehlt uns allen Ecken und Enden. Auch als Mensch. Nicht umsonst bildet er zusammen mit Ruben Schott das ideale Kapitäns-Duo. Weil Nemo eine gewisse Souveränität und Menschlichkeit ausstrahlt, die ganz wichtig ist in solchen Momenten, wo der Druck steigt. Wenn die Gefahr besteht, dass die einzelnen Teile auseinanderfliegen. Dann ist es so wichtig, dass jemand da ist, der den Laden zusammenhält. Das hat er mit Ruben sehr gut gemacht. In diese Rolle müssen andere hinein. Das wird auch passieren. Jetzt schauen wir nach vorn. Wir müssen sehen, dass wir auf dem Weg weitermachen, alles dafür zu tun, Widerstände als Team zu meistern. Schließlich wird der wichtigste Titel, die Deutsche Meisterschaft, noch vergeben. Den wollen wir am Ende wieder in den Händen halten.“
2024 empfingen Ruben Schott & Co die Italiener von Gas Sales Bluenergy Piacenza in der CL-Gruppenphase. Damals waren der Kubaner Robertlandy Simon und sein Team zu stark für die BR Volleys (0:3).
Die Fans glauben an ihre BR Volleys, die ausverkaufte Max-Schmeling-Halle gegen Perugia war Ausdruck dessen. Mit was für einer Kulisse rechnest du gegen Piacenza?
Niroomand: „Man darf nicht verkennen, dass Perugia eine ganz andere Strahlkraft hat. Über die italienischen Grenzen hinweg ist das eine Mannschaft, die bekannt ist als Klubweltmeister. Ich habe Leute getroffen, die aus den entferntesten Ecken Deutschlands angereist sind. Da ist die Mobilisierung ganz anders als gegen Piacenza. Trotzdem ist das wieder ein klangvoller, italienischer Gegner, mit dem echte Topathleten unserer Sportart in die Max-Schmeling-Halle kommen. Diese spielerische Qualität bekommt man nur selten geboten und sollte Zuschauer anziehen. Ich hoffe auf eine gut gefüllte Arena und die entsprechende Unterstützung, denn die werden wir brauchen.“
Tickets für das Duell Berlin vs. Gas Sales Bluenergy Piacenza: www.br-volleys.de/tickets
