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Florian Krage-Brewitz: aus den „Fabelhaften Vier“ zum Führungsspieler
Die vergangenen Monate waren nicht leicht für die BR Volleys. Trainerwechsel, bittere Verletzungen, Verpassen des DVV-Pokalfinales und frühes Scheitern in den internationalen Wettbewerben. Parallel erspielten sich die Berliner mit 23 Bundesliga-Siegen in Folge noch Rang zwei in der Tabelle. Im Playoff-Viertelfinale gegen die Energiequelle Netzhoppers KW nach dem Modus „best of three“ (Auftakt am Samstag, 28. Mrz um 18.00 Uhr, www.br-volleys.de/tickets) geht es ab sofort um die letzte Titelchance. Große Hoffnungen trägt auf Berliner Seite der deutsche Nationalspieler Florian Krage-Brewitz, der trotz der Rückschläge des Teams konstant gute Leistungen zeigt.
„Die Saison war körperlich und mental die anstrengendste, die ich bisher hatte in meiner Karriere“, sagt der 29-Jährige, der früher in Lüneburg, Polen und Frankreich als Volleyball-Profi beschäftigt war. Auf der einen Seite eine, wie er sie sich gewünscht hatte, denn Krage-Brewitz spielt und spielt und spielt. Ganz anders als in seinem ersten Berliner Jahr, als es vier fast gleichstarke Mittelblocker in der Mannschaft gab und er sich öfter in der Zuschauerrolle wiederfand, als ihm lieb war. Dann verließ Tobias Krick den Klub, der neu verpflichtete Jelle Bosma zog sich einen Kreuzbandriss zu, und auch Nehemiah Mote quält sich seit Monaten mit Verletzungen herum. Plötzlich standen von den „Fabelhaften Vier“ aus Berlin nur noch Matthew Knigge und der gebürtige Pinneberger zur Verfügung.
Das ist die andere Seite: „Ich habe mir das gewünscht, dass ich viel spiele“, sagt Krage-Brewitz, „aber natürlich nicht unter diesen Umständen.“ Gleichwohl genießt er es jetzt in vollen Zügen, „in einem Verein wie Berlin so viel Verantwortung tragen zu können. Und meinen Teil dazu beizutragen, dass wir zumindest auch ein paar Aufs dabeihaben konnten.“ Zwar wurden wichtige Saisonziele verpasst, doch zur Wahrheit gehört auch: Die BR Volleys haben in der Bundesliga seit dem 12. November nicht mehr verloren, sondern 23 Partien in Folge gewonnen, neben anderen in dieser Zeit die vermeintlichen Hauptkonkurrenten im Meisterschaftskampf aus Lüneburg, Friedrichshafen und Düren besiegt.

Dauerbrenner: In lediglich drei Saisonspielen stand Krage-Brewitz nicht auf der Platte.
Dabei spielte der 2,03 Meter große Norddeutsche eine herausragende Rolle. Wie beim jüngsten 3:1 in Herrsching, wo seine persönliche Statistik sieben Blockpunkte aufweist – einen mehr, als die gesamte gegnerische Mannschaft verzeichnete. „Die Entwicklung von Flo ist sehr positiv“, lobt ihn Markus Steuerwald, der Co-Trainer der BR Volleys, „diese Saison spielt er viel mehr, und man sieht, wie sein Selbstvertrauen steigt. Er spielt wirklich, wirklich gut. Ob im Block, wo er sich sehr schnell bewegt, oder im Angriff: Er springt sehr hoch, kann jede Richtung schlagen, aus guter Situation, aus weniger guter Situation. Dazu ist sein Aufschlag viel gefährlicher, als er manchmal aussieht.“ Man liest es aus dieser Analyse heraus: Krage-Brewitz hat nicht die eine, ganz besondere Stärke, es ist das Gesamtpaket, das beeindruckt und jedes Team stärker macht. Zugleich unterlaufen ihm wenige Fehler, diszipliniert erfüllt Berlins Nummer Zwölf ihre Aufgabe. Offenbar sehen das auch Steuerwalds Kollegen in der Bundesliga so, denn die Coaches wählten ihn vor Kurzem zum besten Mittelblocker in der deutschen Eliteklasse.
Seine neue Rolle hat Krage-Brewitz auf imponierende Weise verinnerlicht – vom Spieler, der gern mehr spielen möchte zum Spieler, der nun tatsächlich mehr spielen und Leistung abliefern muss. Nicht jeder kommt mit diesem gestiegenen Druck gut klar. „Da ist er ganz schnell reingewachsen“, sagt Steuerwald, „das macht er Spiel für Spiel sehr konstant, auch mit der hohen Belastung kriegt er das sehr gut hin.“ In der Zeitung war zu lesen, dass der 29-Jährige zu Beginn dieser anfangs sehr holprigen Saison vom BR Volleys Geschäftsführer Kaweh Niroomand dahingehend ein bisschen ermuntert werden musste, weniger norddeutsch unterkühlt, sondern engagierter auf dem Spielfeld aufzutreten, mehr Verantwortung zu übernehmen. „Am Ende bedeutete das, ich solle besser spielen“, berichtet der Mittelblocker lächelnd, „ich habe mir das sehr zu Herzen genommen und versucht, in den Dingen, die ich kontrollieren kann, noch mal richtig Vollgas zu geben. Und ich habe dann tatsächlich besser gespielt.“

Krage-Brewitz hat auch unter den Fans viele neue Herzen erobert.
Zu einem guten Anführer gehört, dass er positiv nach vorn schaut. Der Wirtschaftsingenieur mit Masterabschluss füllt auch diese Rolle problemlos aus – zunächst aufmunternd: „In den letzten Wochen ist wieder mehr Energie reingekommen in die Mannschaft, ich bin ganz zuversichtlich, dass wir ähnlich wie letzte Saison hintenraus beweisen können, dass wir in den Playoffs noch einen Extraschritt machen können.“ Dann durchaus fordernd: „Alle sind sich bewusst, dass die Saison nicht mehr ewig dauert. Und wenn man sich selbst beweisen möchte, dass man zu Recht hier in diesem Verein spielt, kann man sich jetzt noch mal einen Ruck geben. Um in den Playoffs das zu zeigen, was man kann.“ Schließlich nimmt sich Krage-Brewitz aber auch selbst in die Pflicht: „Es war für mich ein erfolgreiches Jahr. Jetzt hoffe ich, dass ich der Mannschaft noch helfen kann, in den Playoffs unsere Ziele zu erreichen.“
Das Playoff-Derby gegen die Netzhoppers:
Spiel 1 | 28. März | 18.00 Uhr | Max-Schmeling-Halle
Spiel 2 | 03. Apr | 19.30 Uhr | Paul-Dinter-Halle
Spiel 3 | 07. Apr | 19.30 Uhr | Max-Schmeling-Halle
Tickets sind erhältlich: www.br-volleys.de/tickets

