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Warum Sebastian Kühner sich ein Halbfinale Berlin gegen Friedrichshafen wünscht

Di 07.04.2026
Fotos: Kevin Mattig, Conny Kurth, Günter Kram, Pressefoto Gora
Fotos: Kevin Mattig, Conny Kurth, Günter Kram, Pressefoto Gora

Sieben Jahre trug Sebastian Kühner das Trikot der BR Volleys. Sieben Mal traf der WM-Dritte von 2014 im Playoff-Finale auf den VfB Friedrichshafen. Sechs Mal feierte er mit seinen Berlinern den Gewinn der Deutschen Meisterschaft. Inzwischen ist der Familienvater, der 2019 seine Karriere beendete, beim BR Volleys-Partner STADT UND LAND tätig. Und hofft, dass es an diesem Samstag im Volleyballtempel (11. Apr um 18.00 Uhr, www.br-volleys.de/tickets) im ersten Halbfinale nach dem Modus „best of three“ eine weitere Auflage des deutschen Volleyball-Klassikers gibt – präsentiert von seinem Arbeitgeber als „Partner des Spieltags“.

Noch ist aber nicht entschieden, ob die Schwaben überhaupt den Sprung ins Halbfinale schaffen, denn in ihrer Viertelfinalserie gegen die Barock Volleys MTV Ludwigsburg steht es 1:1. Vereinsbotschafter Kühner sagt lachend: „Aus sportlicher Sicht glaube ich, unsere Jungs hätten kein Problem damit, gegen Ludwigsburg zu spielen. Als Sportler wünscht man sich nicht den nominell schwereren Gegner, sondern will vor allem gewinnen, Titel holen.“ Als jetzt Außenstehender sagt der einstige Zuspieler allerdings: „Da wünscht man sich vor allem spannende und gute Spiele. Für mich ist Friedrichshafen der spannendere Gegner. Nicht allein wegen der Historie, sondern weil die Häfler diese Saison gegen Berlin auch wirklich gute Matches gezeigt haben.“

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Zum Abschluss seiner Karriere streckte Kühner 2019 als Kapitän die Meisterschale am Bodensee in die Höhe - damals wie heute im Berliner Trikot: Moritz Reichert.  

Kühner ist ein Paradebeispiel für das Meistern der großen Herausforderung, vor der viele Volleyballprofis stehen: Wie gelingt der Übergang vom Leistungssport in das normale Berufsleben? Der gebürtige Berliner startete seine Profikarriere bei Bayer Wuppertal, wo er neben dem Volleyball eine Ausbildung zum Sport- und Fitness-Kaufmann begann. Er schloss sie ab in Düren, wo er die nächsten zwei Jahre spielte. 2012 wechselte der Nationalspieler zu den BR Volleys, übrigens ist die STADT UND LAND Wohnbauten Gesellschaft-Berlin mbH seit selbem Jahr Partner. Irgendwann wurde Kühner das Leben nur mit dem Volleyball ein bisschen zu eintönig; er beschloss deshalb, an der Hochschule für Technik und Wirtschaft Immobilienmanagement zu studieren. Im VIP-Raum der Max-Schmeling-Halle konnte er Kontakte knüpfen mit Personen aus dem Netzwerk des deutschen Rekordmeisters. Ein Pflichtpraktikum während des Studiums hatte er schon bei der STADT UND LAND absolviert; es folgte die Einigung mit der Geschäftsführung, im Anschluss an den Volleyball dort fest einzusteigen. Zunächst als Projekt-Koordinator im Bereich Technik. Das war 2019. Inzwischen hat er eine erfreuliche Karriere hingelegt und ist seit Ende 2024 Bereichsleiter Technik in der städtischen Wohnungsbaugesellschaft.

Kühner bekam Chancen und hat sie genutzt. Wobei sich seine Zeit als Leistungssportler als sehr hilfreich erwies. Natürlich weniger, weil er ohne jede Berufserfahrung erst im Alter von 30 Jahren mit der Arbeit begann. Dafür um so mehr, weil er die so genannten „soft skills“ wie Leistungsbereitschaft, Belastbarkeit, Stressresistenz und Teamfähigkeit mitbrachte. Sein Arbeitgeber schätzt solche Bestandteile der Persönlichkeitsentwicklung durch den Sport und unterstützt auch deshalb seit 14 Jahren die BR Volleys, fördert insbesondere den Nachwuchsbereich. Dieses Engagement zeigt sich in vielen Maßnahmen in der Jugendarbeit und traditionell beim ersten Playoff-Halbfinale, zu dem die STADT UND LAND als „Partner des Spieltags“ auftritt. Unter anderem wird es dazu am Samstag ein gemeinsames Gewinnspiel geben.

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Die STADT UND LAND und ihr Geschäftsführer Ingo Malter sind treue Unterstützer des Berliner Volleyballs.

Es könnte sich somit in vielerlei Hinsicht ein Kreis schließen, denn 2012 war auch das letzte Mal, dass sich Friedrichshafen und Berlin bereits im Playoff-Halbfinale begegneten. Sebastian Kühner kann aus eigener Erfahrung erklären, was das Besondere am ewig jungen Duell ist. „Es ist einfach der Volleyball-Klassiker. Obwohl sich Lüneburg gerade mehr in den Vordergrund gespielt hat, ist es das Duell seit 25 oder 30 Jahren. Der Dauerbrenner, selbst für Leute, die Volleyball nur am Rande mitbekommen.“ Er findet schön, dass es solche Geschichten im Sport gibt. So viele große Rivalitäten gebe es ja nicht im Land. „Das Duell will man einfach sehen“, sagt er, „selbst neue Spieler aus dem Ausland, die die Geschichte dieser Rivalität gar nicht kannten, merken sofort im ersten Spiel, wie besonders diese Konkurrenz ist: Das ist ein anderes Spiel, das ist eine andere Atmosphäre. Zwischen den Trainern, zwischen den Spielern, zwischen dem Staff, den Geschäftsstellen. Zwischen den Fans sowieso. Jeder spürt: Auf gar keinen Fall darf heute verloren werden.“

Trotz der fast 800 Kilometer Entfernung zwischen den beiden beteiligten Städten: „Das hat Derby-Charakter. Und das sind die Spiele, die du dir im Kalender beim Saisonbeginn einkreist, wo du sagst: Okay, wann spielen wir dieses Mal gegen Friedrichshafen?“ Das Aufeinandertreffen in den Playoffs gehöre dazu, „für gewöhnlich im Finale. Ich weiß gar nicht mehr, wie oft ich gegen den VfB gespielt habe, teilweise war es sieben Mal in einem Jahr. So oder so sind es Schlüsselspiele. Ich freue mich ja über alle Aufsteiger und die vielen wachsenden Standorte, die dem Volleyball in Deutschland guttun, Lüneburg vorneweg, auch Ludwigsburg. Aber am Ende will ich lieber Berlin gegen Friedrichshafen sehen als Berlin gegen Ludwigsburg.“

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Nicht nur an der Seite von Georg Klein schlug Kühner einige Volleyball-Schlachten gegen den VfB.

Es wäre auch das Aufeinandertreffen zwischen zwei Teams, die in den zurückliegenden Monaten nicht alle Erwartungen erfüllt haben. Zunächst Berlin: „Was in dieser Saison heraussticht bei den BR Volleys, dass sie es übers Jahr nicht geschafft haben, einen Rhythmus zu finden. Sie haben immer noch keine echte Stamm-Sechs“, wundert sich Kühner, „es gibt immer wieder neue Konstellationen in der Annahme. Daraus eine Selbstverständlichkeit und Automatismen zu entwickeln, ein Grundniveau in jedem Spiel zu haben, ist schwer. Manchmal spielt die Mannschaft herausragend, aber dann gibt es immer wieder Phasen, wo wenig gelingen will.“ Dann Friedrichshafen: „Natürlich haben die auch eine schwierige Saison hinter sich. Nicht nur wegen des großen Umbruchs, der in den vergangenen Jahren am Bodensee passierte. Dieses Jahr gab es viele Aufs und Abs, es lief sehr holprig, rauf und runter. Da gab es den Einzug ins Pokalfinale, aber es passt geradezu ins Bild, dass sie jetzt auch in Ludwigsburg noch mal gestolpert sind." 

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Trotzdem mag Kühner es nicht glauben, dass er ein zweites Mal in Folge auf den Playoff-Klassiker verzichten muss. „Ich glaube schon, dass die Friedrichshafener das jetzt zu Hause gewinnen werden“, sagt er, „und wir unser Halbfinale gegen den VfB bekommen.“ Ihn würde das sehr freuen. Und viele Volleyballfans in Deutschland vermutlich auch.

Tickets für das erste Halbfinale gibt es unter: www.br-volleys.de/tickets

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Kühner ist als Experte bei Dyn und BR Volleys Vereinsbotschafter noch regelmäßig zu Gast im Volleyballtempel.

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