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Berlin gegen Friedrichshafen: Auch im Halbfinale noch der Klassiker
Der VfB Friedrichshafen musste gegen die Barock Volleys MTV Ludwigsburg härter kämpfen als erwartet, doch nun ist es wieder an der Zeit für den Klassiker im deutschen Volleyball. Berlin Recycling Volleys gegen die Mannschaft vom Bodensee, der 15-malige Meister gegen den 13-maligen Champion, das Duell, das die Herzen der Fans höher schlagen lässt: Es beginnt am Samstag in Berlin (11. Apr um 18.00 Uhr, www.br-volleys.de/tickets) im Playoff-Modus „best of three“. Nur sind es nicht wie gewohnt die Endspiele um die Deutsche Meisterschaft, die beide Topteams gegeneinander bestreiten, so wie zwischen 2013 und 2024 elfmal in Serie. Man trifft sich diesmal schon in der Vorschlussrunde.
Grund dafür ist der Siegeszug der SVG Lüneburg in dieser Saison. Die Niedersachsen landeten zum Abschluss der Hauptrunde auf Tabellenplatz eins, das BR Volleys Team wurde punktgleich Zweiter, Friedrichshafen mit sieben Zählern Rückstand Dritter. Dass die Konkurrenz aus der Hauptstadt in den letzten Jahren stets die Nase vorn hatte und neun Meisterschaften in Folge gewann, mussten die Schwaben akzeptieren. Aber jetzt auch noch Lüneburg? „Das ist so, und es ist nicht verwunderlich“, antwortet Thilo Späth-Westerholt, der VfB-Geschäftsführer, „offensichtlich herrscht in Lüneburg große Euphorie, auch bei den Sponsoren. Dort wird sehr gut gearbeitet, aber natürlich können sie durch ihre steigenden Einnahmen dementsprechend ihren Kader aufbauen.“ Seine bildliche Erläuterung: Lüneburg kann sich bei der Wahl seiner Profis inzwischen aus Regalen mit derart hohen Preisen bedienen, dass Friedrichshafen nicht mehr an sie herankommt.

Geschäftsführer Thilo Späth-Westerholt im Austausch mit Trainerlegende Stelian Moculescu.
Seit der VfB nur noch in der 1.000 Zuschauern Platz bietenden SPACETECH ARENA antritt, hat sich zumindest dieser Einnahmeposten erheblich verschlechtert. Die angestammte ZF Arena (Kapazität 4.000 Zuschauer) musste 2020 wegen Baufälligkeit geschlossen werden. „Bei Topspielen wie gegen Berlin könnten wir zwei- bis dreimal ausverkauft sein“, klagt Späth-Westerholt, „das tut weh. Aber es ist, wie es ist. Wir versuchen, das Beste daraus zu machen.“ Für das Halbfinale wird angestrebt, durch Optimierungen 200 bis 300 Fans mehr in die Halle zu quetschen. Eine wirkliche Hilfe ist das nicht. Aber eine große Lösung, da gibt sich der Manager sehr realistisch, ist derzeit nicht in Sicht. Der frühere Serienmeister sieht sich daher selbst inzwischen als Herausforderer.

Die SPACETECH ARENA bleibt für den VfB ein begrenzender Faktor.
Allerdings wäre es fahrlässig, Friedrichshafen jetzt im Halbfinale als krassen Außenseiter einzuschätzen. Zwar können die Berliner darauf verweisen, dass sie 25 Mal nacheinander in der nationalen Liga als Sieger das Feld verließen. Aber von den vergangenen zwölf Spielen im nationalen Wettbewerb hat auch der VfB elf gewonnen, zehn davon mit 3:0. „Wir sind sehr positiv gestimmt, unsere Kurve zeigt ganz klar nach oben“, frohlockt Späth-Westerholt trotz des 1:3 im zweiten Viertelfinal-Duell in Ludwigsburg, „wir sind sportlich ganz gut unterwegs. Wenn die Jungs bis zum Ende fit bleiben, stehen uns noch spannende Spiele bevor.“ Wenn, ja wenn. Nicht nur die BR Volleys waren in dieser Saison von personellen Ausfällen geplagt; das trifft ebenso auf den Kader der Südwestdeutschen zu.
Das fing schon an, bevor die Saison begonnen hatte. „Unser bester Mann“ (Späth), Außenangreifer Jackson Young, trumpfte im Trikot Kanadas bei der WM auf den Philippinen derart auf, dass ihn flugs der polnische Meister LKPS Lublin vom Wechsel in die PlusLiga überzeugte. Auf derselben Position quälten sich der Montenegriner Vojin Cacic und Tim Peter monatelang mit Verletzungen herum, so dass sich die Schwaben nach Ersatz für die Routiniers umschauen mussten. Sie fanden den Amerikaner Corey Chavers und auch Jonas van Huizen; besonders der Kanadier ist mittlerweile zu einer Stütze des Teams geworden. Dann musste Diagonalangreifer Parker van Buren wegen einer Schulteroperation im Februar sein Saisonende verkünden. Nun trägt die Last dort allein sein US-Landsmann Kyle Hobus. Weil auch der serbische Zuspieler Aleksa Batak sich häufig mit Beschwerden plagte, setzte Trainer Adam Swaczyna sogar international im CEV-Cup des Öfteren auf Daniel Habermaas. Der ist neben Libero Lucas Huckle eines von zwei erst 20-jährigen Talenten aus dem eigenen Nachwuchs, die in Friedrichshafener Schulen in Volleyball-AGs entdeckt wurden. Und nun auf gutem Weg scheinen, sich in der Bundesliga zu etablieren – vergleichbar mit Arthur Wehner und Max Treiter in Berlin.

Der Kanadier Jonas van Huizen (24) entwickelte sich zum wichtigen Akteur für Friedrichshafen.
„Wir hatten über die ganze Saison Schwierigkeiten, was die Verletztensituation betraf“, sagt Späth-Westerholt, „wir konnten nie auf den kompletten Kader zugreifen. Das ist natürlich schade, denn für die Top-Spiele brauchst du auch deine Top-Spieler. Das hat sich teilweise in den Ergebnissen gezeigt. Da waren ein paar vermeidbare Niederlagen dabei.“ Der Geschäftsführer meint damit aber nicht das 2:3 im Pokalfinale gegen Lüneburg. „Wir haben alles in die Waagschale geworfen. Mit der Leistung der Mannschaft waren wir zufrieden.“ Zuvor hatte der VfB dreimal klar gegen die Niedersachsen verloren, im Supercup und in der Bundesliga. „Im Pokalfinale haben wir gezeigt, dass wir doch mehr können“, warnt Späth-Westerholt, „das Spiel hat uns eher motiviert und den Jungs gezeigt: Okay, es reicht noch nicht ganz, aber vielleicht zum späteren Zeitpunkt.“ Der ist jetzt gekommen. „Deshalb sind wir ja so heiß auf die Playoffs.“
Wo nun im Halbfinale der Titelverteidiger wartet. „Das wird ein schöner Klassiker“, erwartet Späth-Westerholt, „wenn Friedrichshafen gegen Berlin auf dem Papier steht, hat das auch für die Fans noch mal eine große Anziehungskraft. Für beide Vereine ist das ein großartiges Halbfinale.“ Eines, in dem die Favoritenrolle nicht so klar vergeben ist, wie das vielleicht manche meinen. Denn der VfB hat den Berlinern in dieser Saison bei all seinen Problemen schon zwei schmerzhafte Niederlagen zugefügt. Er gewann 3:0 zum Saisonauftakt in der Max-Schmeling-Halle und 3:2 im Pokal-Halbfinale vor eigenem Publikum. Nur im Punktspiel in Friedrichshafen feierten die BR Volleys Anfang Januar einen 3:1-Sieg. Geht es nach Ruben Schott & Co., werden im Halbfinale mit der Unterstützung der Fans zwei weitere hinzukommen.
Playoff-Halbfinale im Modus „best of three”:
Spiel 1 | 11. April | 18.00 Uhr | Max-Schmeling-Halle
Spiel 2 | 18. Apr | 20.00 Uhr | SPACETECH ARENA
Spiel 3 | 26. Apr | 17.00 Uhr | Max-Schmeling-Halle
TICKETS sind >>> HIER <<< erhältlich.

