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Berliner Nachwuchs mit Höhen, aber auch Tiefen

Fr 05.06.2026
Fotos: privat
Fotos: privat

Drei Medaillen für Berlin: Obwohl man nicht ganz an die Erfolge des vergangenen Jahres anknüpfen konnte, steht für die Hauptstadt bei Deutschen Nachwuchsmeisterschaften 2026 erneut mehrfach Edelmetall zu Buche. Hatte es 2025 noch drei Finalteilnahmen in den vier Altersklassen gegeben, schaffte es diesmal allein die U20 des Berliner TSC ins Endspiel und gewann dort Gold. In der U14 teilten sich die SCC JUNIORS und der Berliner Volleyballverein Vorwärts die Bronzemedaillen. Die U16- und U18-Teams gingen gegen starke Konkurrenz leer aus.

Das kurze Video auf Instagram, veröffentlicht nach dem Triumph der U20 in Saarbrücken, hat schon jetzt Kult-Status. Co-Trainer Michael „Gussi“ Lenck war in Vertretung der Coaches Tobias Grösch und Mansour Zadon gerade zum Fernseh-Interview angetreten, als die johlenden Jünglinge mit lautem Gesang das Gespräch crashten. Der 63-Jährige grinste zunächst und tanzte sogar ein bisschen mit, setzte dann aber mit einem entschlossenen „Jut Jungs, abhauen, abhauen!“, dem Spuk ein jähes Ende. Die Mannschaft hatte allen Grund zum Feiern: Ohne Satzverlust war sie zum Titel gerauscht. Dass die Spieler der Anweisung dennoch prompt folgten, erklärt Kilian Schmiedeke lachend so: „Wenn Gustav was sagt, ist das Gesetz.“ Der junge Mann, der zum siegreichen Team zählte, weiß um die Verdienste des Originals: „Er hat so viel getan für uns alle. Viele von uns haben bei ihm angefangen.“ Der 17-Jährige selbst hat in seinen Altersklassen in den vergangenen fünf Jahren vier Meistertitel gewonnen. Insgesamt zählt Lenck über 30 gewonnene Medaillen seit 2001, hat in seiner mehr als 40 Jahre währenden Trainerkarriere rund 100 Erst- und Zweitligaspieler mitentwickelt. Darunter sind zehn Nationalspieler. Kein Wunder also, wenn seine Schützlinge ihm gut zuhören.

Was auch seine jüngeren Kollegen tun. „Gussi ist so etwas wie der Papa von uns allen, wir können von ihm extrem viel lernen“, sagt Arnaud Schmidt (25). Er ist seit Oktober vergangenen Jahres Cheftrainer der SCC JUNIORS, die in der U14 ihren stärksten Auftritt hatten. Genau wie der Berliner Volleyballverein Vorwärts stießen die Jüngsten in Dachau bis ins Halbfinale vor, ohne bis dahin einen Satz abgegeben zu haben. Dort allerdings warteten mit den L.E. Volleys und dem späteren Meister VGF Marktredwitz Kontrahenten, die diesmal noch ein wenig stärker waren. Trotzdem ist Platz drei für beide ein höchst erfreuliches Resultat.

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Die Berliner U20 ist ein extrem vielversprechender Jahrgang.

„Das Gold der U20, die zwei bronzenen der U14 – das ist mega“, findet Schmidt, der noch einen weiteren Erfolg hervorhebt: „Entferntes Ziel ist immer, acht Berliner Startplätze bei den Meisterschaftsendrunden zu erreichen, jetzt waren es sieben, das ist mehr als gut.“ Man könne schon zufrieden sein. „Andererseits kann man nicht wegreden, dass wir in der U18 nicht das erreicht haben, was wir wollen. Aber andere machen ihre Sache eben auch gut, das muss man akzeptieren.“ Platz 11 für Rotation Prenzlauer Berg und Rang 16 für den Schulsportverein Karow-Nord bei der Endrunde in Amberg entsprechen dennoch nicht den Berliner Erwartungen. Wobei zur Wahrheit gehört, dass Rotation den Einzug ins Viertelfinale mit einem 18:20 im Tiebreak gegen den späteren Medaillengewinner Solingen denkbar knapp verpasste.

Torsten Manke, Schmidts Vorgänger beim SCC und jetzt Berliner Landestrainer, ordnet die Resultate ähnlich ein. „In der U18 und U16 haben wir uns ein bisschen mehr erhofft“, sagt er. Auch in der U16 mit einem Team der SCC JUNIORS war eine Medaille in Reichweite. Das Viertelfinale gegen Leipzig ging allerdings ebenfalls nach einer starken Leistung erst im Tiebreak verloren. Wobei den Berlinern wegen Verletzung in Dresden ein wichtiger Spieler fehlte. So blieb Rang sieben als Endergebnis. „Das ist aber tendenziell eine jüngere Mannschaft, die nächstes Jahr auf Medaillenjagd gehen kann“, hofft Manke. Beim abschließenden Bundespokal in der U16 kam die Auswahl des Volleyball-Verbandes Berlin nicht über Rang sieben hinaus. „Generell“, meint Manke, „ist das Abschneiden nicht sehr gut, aber gut.“

Schwierigkeiten in der Zusammenarbeit zwischen den Berliner Volleyballvereinen, Talente zu sichten, zu entwickeln und Synergien zu schaffen, sieht er nach der personellen Veränderung nicht. Die Initiative dazu ging 2016 von den BR Volleys aus, seitdem schnellten nicht nur die Erfolge, sondern auch die Mitgliederzahlen nach oben. Seit der Pandemie haben sich diese im männlichen Nachwuchs fast verdoppelt. Am 01. Januar 2021 waren es 1.028 gemeldete Jugendspieler, jetzt zum Jahreswechsel 1.935. Dazu wird die Spitze noch gezielter gefördert. „Der Übergang Manke/Schmidt hat sehr gut funktioniert“, sagt er, „wir haben ein klares System. Die Verknüpfung Sportschule, Landesauswahl und Vereinssport ist sogar noch ein bisschen besser und intensiver geworden. Auch was die nächsten Jahrgänge angeht, glaube ich, das geht gut voran.“ Das Berliner Nachwuchssystem trägt sichtbar Früchte und ist der Nährboden für weitere Medaillengewinne. Der Weg für Jungs wie Kilian Schmiedeke scheint bereitet und die Chancen stehen gut, dass auch die nächste Generation an Berliner Jugendtrainern Bundesliga-, BR Volleys- und eines Tages Nationalspieler formt.

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Die U14 des BVV und Arnaud Schmidt (hinten rechts) kehrten mit Bronze zurück nach Berlin.

Die Deutschen Meisterschaften im Überblick:

U14
Ausrichtung: 16./17. Mai beim ASV Dachau
Platzierungen: Bronze Berliner Volleyballverein Vorwärts, Bronze SCC JUNIORS

U16
Ausrichtung: 25./26. Apr beim VC Dresden
Platzierung: 7. Platz SCC JUNIORS

U18
Ausrichtung: 16./17. Mai beim DJK Sportbund Amberg
Platzierungen: 11. Platz SG Rotation Prenzlauer Berg, 16. Platz SSV Karow-Nord

U20
Ausrichtung: 09./10. Mai beimTV Bliesen
Platzierungen: Gold Berliner TSC, 12. Platz SCC JUNIORS

Weitere Informationen zu allen Turnieren: https://www.volleyball-verband.de/de/halle/jugend/deutsche-meisterschaften/

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