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Nächster Schritt im Berliner Nachwuchskonzept

2016 wurde im Berliner Volleyball ein neues Nachwuchskonzept etabliert – initiiert und gefördert von den Berlin Recycling Volleys. Es beruht auf der Zusammenarbeit und der Durchlässigkeit der Vereine und entwickelt sich zu einem Erfolgsmodell. In den vergangenen zehn Jahren hat sich die Zahl der männlichen Jugendspieler in der Hauptstadt mehr als verdoppelt; insgesamt hatte der Volleyball-Verband Berlin noch nie so viele Mitglieder wie aktuell (13.160). Teams der SCC JUNIORS, der Nachwuchsabteilung der BR Volleys, sowie des Berliner TSC und des Berliner Volleyballverein Vorwärts sammelten mit Spielern aller beteiligten Klubs Medaillen bei den Deutschen Meisterschaften 2026. Doch ein Konzept ist nur so gut wie seine Weiterentwicklung. Deshalb folgt jetzt der nächste Schritt.
Einige „Berliner Jungs“ wie Djifa Amedegnato, Maximilian Treiter oder jüngst Kilian Schmiedeke haben den Sprung über das Nachwuchsprogramm zum VC Olympia und darüber zu den BR Volleys geschafft. Andere fanden einen Platz bei anderen Klubs in der Bundesliga. Doch was geschieht mit denen, die für die höchste Spielklasse noch nicht stark genug sind, den Traum von einer Profikarriere aber nicht aufgeben wollen? Und können sie in der Nähe ihrer Heimatstadt am Ball bleiben oder verschwinden sie in anderen Regionen des Landes? „Sie sollten leistungsorientiert drei- bis viermal die Woche trainieren, dazu Krafttraining haben“, erklärt Arnaud Schmidt, der Cheftrainer der SCC JUNIORS. „Das war bisher beim Berliner TSC der Fall.“ Nur am Ende nicht auf dem gewünschten Niveau. „Da ging es in der Regionalliga nicht um obere Plätze, sondern um den Klassenerhalt.“ Jetzt ist der TSC tatsächlich abgestiegen, die Mannschaft bestand am Ende fast nur noch aus Jugendlichen und war chancenlos. „Andere junge Spieler haben sich in richtigen Männermannschaften deutlich besser weiterentwickelt“, hat Schmidt beobachtet, „deshalb versuchen auch wir jetzt, dass die Jugendlichen sich mit 16, 17 oder 18 Jahren in Männerteams bewähren, mehr von denen lernen.“
Als Cheftrainer der SCC JUNIORS ist Arnaud Schmidt eng in die berlinweiten Planungen eingebunden.
(Foto: Pressefoto Gora)
Dazu braucht man Vereine, die offen für diese Philosophie sind, nämlich junge Spieler in der Region zu halten, leistungsorientiert bestmöglich zu fördern und je nach Fähigkeiten in den Erwachsenenspielbetrieb zu integrieren. Die Idee an sich und Gespräche darüber gab es schon unter Schmidts Vorgänger Torsten Manke, dem jetzigen Berliner Landestrainer. Immer wieder verhinderten Vorbehalte und Skepsis, ob das Modell funktionieren würde, den Start. Nun jedoch wurden vier Vereine gefunden, die einen Kooperationsvertrag mit den BR Volleys unterschrieben haben: der PSV Neustrelitz, vergangene Saison auf Rang zehn der 2. Bundesliga Nord gelandet, der SV Preußen Berlin, Siebter in der Dritten Liga Nord, der VfK Berlin-Südwest, Sechster der Regionalliga Nordost, und der SV Ludwig Renn, in derselben Spielklasse sogar Meister. Den Aufstieg in die Dritte Liga peilt der Verein aus Marzahn allerdings nicht an.

Perspektivisch soll die Partnerschaft allen Beteiligten zur Erreichung ihrer Ziele Auftrieb geben und stärkt durch gewachsene Strukturen gleich den Volleyball in der Region mit. Die Partnervereine können sich zum Beispiel mit den Trainern der BR Volleys austauschen, es kann hier und da gemeinsame Trainingseinheiten geben. Ihre Kader können sie durch leistungsstarke Talente mit Doppelspielrecht verbessern, ihre Konkurrenzfähigkeit in der gehobenen Spielklasse so langfristig sichern und mehr Beachtung in der Öffentlichkeit gewinnen. „Es ist natürlich wichtig, dass beide Seiten davon profitieren – sonst würde so eine Kooperation ja gar keinen Sinn machen“, sagt Marc Lessing, der Teammanager der Neustrelitzer, die seit sieben Jahren Zweitligist sind und dort irgendwann einmal gern die Playoffs erreichen würden. „Wir sind sehr froh über die Zusammenarbeit und sehen uns sowieso schon als Rand-Berliner. Der Großteil unserer aktuellen und hoffentlich auch zukünftigen Spieler ist bereits aus dem Groß-Berliner Raum gekommen.“ Einen weiteren Vorteil der Zusammenarbeit verspricht er sich davon, „dass mit den BR Volleys als Zugpferd sich auch noch mehr Spieler für uns entscheiden als für andere Vereine, weil sie wissen, mit wem wir in Kooperation stehen.“

Der PSV Neustrelitz ist der hochklassigste Partnerverein im Erwachsenenspielbetrieb.
Die BR Volleys wiederum haben die Möglichkeit, Berliner Talente und deren Entwicklung mitzusteuern und im Blick zu behalten – ohne die Eigenständigkeit und Identität der Partnervereine einzuschränken. Auch das gehört zu den Inhalten der Kooperation. Nach dem Ausscheiden aus dem Fördermodell beim Bundesstützpunkt im VC Olympia wird ein paralleler, leistungsorientierter Ausbildungsweg geschaffen. Es bleibt die Chance für die jungen Spieler, durch viel Einsatzzeit, die im Bundesligateam kaum erreichbar wäre, die individuelle Entwicklung voranzubringen und über diesen „Umweg“ vielleicht doch noch den Sprung in den Profibereich zu schaffen. Oder in der Zweiten oder Dritten Liga eine gute Rolle zu spielen, statt den Spaß am Volleyball zu verlieren. „Neu ist dieses Projekt ja nicht, es ist nur die Erweiterung von dem, was wir schon seit Längerem haben“, sagt Arnaud Schmidt, der froh ist, dass nun Vereine gefunden wurden, deren Vorstellungen so gut zueinander passen, „dass wir das jetzt endlich in Vertragsform bringen konnten.“
Weitere Infos und Übersichten zum Nachwuchskonzept: https://www.berlin-recycling-volleys.de/scc-juniors/nachwuchskonzept






