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Louisa Lippmann: „Das kann auch voll nach hinten losgehen“

Louisa Lippmann hat aufregende Tage hinter sich. Die 31-Jährige, die für die Berlin Recycling Volleys startet, hat sich Anfang Juli von Linda Bock getrennt, mit der sie in den vergangenen zwei Jahren ein Beachvolleyball-Duo gebildet hatte. Bei den ersten German Beach Club Finals in Hannover an diesem Wochenende (23. bis 26. Jul) tritt sie erstmals mit ihrer neuen Partnerin Melanie Paul an. Ein Gespräch mit der Olympia-Teilnehmerin von 2024 über Gründe für die sehr emotionale Veränderung, Vorteile und Risiken der neuen Konstellation und Angebote, in der Halle weiterzuspielen.
Louisa, danke, dass du dir die Zeit nimmst, du hast vermutlich im Moment ziemlich viel Action…
Louisa Lippmann: Ja, schon. Aber das ist ja auch selbst kreiert.
Du sprichst es an, die Trennung von Linda hat großes Aufsehen erregt. Erkläre doch noch mal, wie sie zustande gekommen ist.
Lippmann: Man muss da zunächst mal unterscheiden zwischen den sportlichen und persönlich-menschlichen Gründen. Jeder konnte sehen, dass es auf der menschlichen Ebene von Anfang an gut gepasst hat zwischen uns. Ich schätze Linda als Person und auch als Spielerin sehr. Mein Entschluss, trotzdem getrennte Wege zu gehen, ist im vergangenen halben Jahr gereift. Natürlich kam da Anfang des Jahres ein bisschen Verletzungspech dazu. Aber generell habe ich jetzt nicht mehr so viel Entwicklung gesehen.
Woran machst du das fest?
Lippmann: Weniger an Ergebnissen, mehr an der Art und Weise, wie wir gespielt oder trainiert haben. Wir standen da an unterschiedlichen Punkten, vielleicht auch in der Vorstellung, wie man die Sportart betreiben möchte. Letzte Woche kam eine E-Mail, in der stand: Heute in zwei Jahren starten die Olympischen Spiele in Los Angeles. Linda und ich hatten ein super Jahr hinter uns, eine super Saison, aber jetzt sind wir ja schon im Sommer 2026, es sind nur noch eineinhalb Jahre Zeit. Im November geht die Olympia-Qualifikation los. Aus sportlicher Sicht war ich mir nicht sicher, ob diese anderthalb Jahre für uns beide mit unserem Background ausreichen. Ob diese Zeit auch die Zeit ist, die wir eigentlich noch bräuchten.

Nach einer positiven Saisn 2025 fehlten zuletzt die gemeinsamen sportlichen Fortschritte.
Was meinst du mit Background?
Lippmann: Ich habe nicht an dem Potenzial des Teams grundsätzlich gezweifelt. Wir haben letztes Jahr oft gezeigt, dass wir viel Potenzial haben. Wir haben aber auch von Anfang an gesagt: Wir sind zwei Hallenspielerinnen, die in den Sand gegangen sind. Das ist ein Projekt, das Risiken birgt. Wir machen eine andere Sportart, da gibt es viel umzulernen. Darum kam die Idee, sich nach einer Spielerin umzuschauen, die in dieser Sportart schon ein bisschen gestandener ist. Die Entscheidung war nicht von langer Hand geplant, wie ich es zuletzt von einigen Seiten gehört habe. Sie ist mir wirklich nicht einfach gefallen. Das war ein längerer und schwieriger Entscheidungsprozess. Die Veröffentlichung durch den Verband kam jetzt so schnell, weil es vor den Club Finals noch um Ummeldungen und solche Dinge ging. Bildlich gesprochen, wurde das Pflaster deshalb schnell abgerissen, was manchmal dann eben sehr schmerzhaft sein kann. Linda und ich hatten 2025 eine unfassbar tolle Saison zusammen. Es hat sowohl auf als auch neben dem Feld gut funktioniert. Doch am Ende reden wir bei Olympia über Vier-Jahres-Zyklen, die in Wahrheit ja gar keine Vier-Jahres-Zyklen sind.
Wie hat Linda deine Entscheidung aufgenommen?
Lippmann: Das war super-emotional. Ich bin zu Linda nach Hause gefahren, um ihr das persönlich zu sagen. Es ist für uns beide schlimm. So ein Zweierteam ist ja gewissermaßen wie eine Partnerschaft. Teilweise habe ich Linda mehr gesehen als meinen Mann und andersrum. Du verbringst wahnsinnig viel Zeit miteinander, das ist eine intensive Zeit. Mit Linda Zeit zu verbringen, war übrigens immer easy, wir hatten viel Spaß, viel Freude. Darum war es dann auch so intensiv, wenn man sich eigentlich noch gut leiden kann, ihr meine Entscheidung mitzuteilen. Das war ein Scheiß-Gefühl. Es hat mir unfassbar leidgetan, sie so zu verletzen.

Louisa und Linda waren auf und neben dem Court eine eingeschworene Einheit.
Blicken wir nach vorn. Was wird aus deiner Sicht anders werden mit deiner neuen Partnerin Melanie Paul? Vielleicht besser?
Lippmann: Besser? Das will ich jetzt noch gar nicht so sagen. Ich kenne Melli fast noch gar nicht, das ist erst mal was ganz Neues. Ich kannte meine erste Partnerin Laura Ludwig ein bisschen. Linda kannte ich von der Halle sehr gut. Melli kenne ich von allen meinen drei Partnerinnen am wenigsten. Was neu sein wird, rein taktisch: Melli ist Linkshänderin. Das bedeutet, sie wird auf der Position zwei spielen, ich gehe auf die vier. Das wird für mich eine Umorientierung sein. Melli ist in Argentinien geboren, in Chile zur Schule gegangen, war am College in Kalifornien. Sie bringt also, obwohl sie mit 25 Jahren noch jung ist, sehr viel Lebenserfahrung mit. Melli hat im Vergleich zu mir schon mehr Berührungspunkte in der Sportart. Eine krasse Waffe, die sie hat, ist ihr Sprungaufschlag. Sie ist als Persönlichkeit sehr geradeaus. Ich bin gespannt auf die Zeit, die jetzt anbricht.
Wir waren die ersten Trainingseinheiten?
Lippmann: So viele gab es noch gar nicht. Wir freuen uns voll auf das Neue, aber man muss das Alte auch noch ein bisschen abstreifen. Insgesamt werden wir in unseren ersten Turnieren noch nicht die Sahnehaube zeigen. Wir müssen uns erst noch finden auf dem Feld. Aber ich vertraue da auf unser Umfeld, unser Trainerteam, dass sie uns einen guten Weg bereiten.
Mit welchen Erwartungen gehst du in die Club Finals?
Lippmann: Das ist ein Sprung ins kalte Wasser. Das ist manchmal ganz gut – man kann immer überraschen. Ich freue mich sehr, dass das überhaupt geklappt hat, dass wir für die BR Volleys in Hannover starten können, das stand wegen der Kürze der Zeit ja sogar auf der Kippe. Ich wollte unbedingt für Berlin spielen. Ich freue mich auch, dass wir die Möglichkeit haben, unser erstes Turnier dort zu haben. Wir haben noch nicht so einen hohen Ergebnisdruck, können vor einer tollen Kulisse spielen. Das Format ist außergewöhnlich, in dem dort gespielt wird. Wobei eines auch klar ist: Melli und ich sind extrem ehrgeizig, uns da gut zu präsentieren. Wir wollen das nutzen, um unseren besten Beachvolleyball zu finden.
Übertrieben viel Zeit, euch als Team zu finden, habt ihr nicht. Du sagtest vorhin schon, dass im Herbst bereits die Olympia-Qualifikation beginnt. Wenn du nach Los Angeles willst, muss es jetzt mit Melli klappen, eine weitere Veränderung wird es nicht geben können.
Lippmann: Genau. Die leichtere Entscheidung wäre wahrscheinlich gewesen, in der Konstellation mit Linda zu bleiben. Weil man sich kennt, man überwindet es vielleicht, man hält es noch ein bisschen aus. Der Schritt mit Melli birgt natürlich auch das Risiko, dass es voll nach hinten losgehen kann. Es ist nicht gesagt, dass dieses Team erfolgreicher wird. Ich habe nur die Entwicklung nicht mehr gesehen bei Linda und mir. Am Ende weiß ich auch nicht, was jetzt rauskommt. Aber ich habe Vertrauen und glaube, dass diese Partnerschaft extrem viel Potenzial hat. Muss sie auch, denn natürlich geht es jetzt um die Wurst.

Louisa muss sich jetzt zügig mit ihrer neuen Partnerin Melli Paul finden. Die Finals sind dabei die erste Standortbestimmung.
In der Olympia-Qualifikation. Wann und wo geht es los?
Lippmann: Tja, das ist auch noch nicht so ganz klar. Erst sollte es im Oktober losgehen, jetzt im November. Wie der Modus aussieht, wissen wir selbst noch nicht. Das ist ein bisschen wild. Es gingen viele Gerüchte um, dass der Modus geändert werden soll. Jetzt lassen sie den Modus wohl und stocken das Starterfeld bei Olympia auf. So ist eben Beachvolleyball. Ich wusste ja von Beginn an, dass man da flexibel sein muss – wie flexibel, das war mir denn wohl doch nicht bewusst, das haben die letzten Jahre gezeigt (lacht). Es ist eine krasse Lehre: Am Ende kann man nur sich und seine Leistung beeinflussen.
Bei welchen Turnieren tretet ihr als nächstes an, steht das schon fest?
Lippmann: Nach den Club Finals ist unser nächster Auftritt in Hamburg beim Elite-Turnier geplant. Dann haben wir die Europameisterschaft, die Deutsche Meisterschaft – der August ist voll mit Spielen. Das ist eine gute Vorbereitung auf die Olympia-Qualifikation. Und dann haben wir den September und den Oktober, wo wir noch mal einen Block ansetzen können und überlegen, welche Themen wir jetzt entwickeln. Welche Details? Worauf wollen wir gucken? Dann müssen wir weitersehen. Vom Weltverband ist noch kein Plan veröffentlicht, welche Turniere wann kommen.
Louisa, vor vier Jahren hast du die Halle verlassen und bist in den Sand gewechselt. Hast du diese Entscheidung schon mal bereut? Wünschst du dir bei all den Turbulenzen, die du seitdem erlebt hast, nicht manchmal die sturmsichere Halle zurück?
Lippmann: Ich würde lügen, wenn ich nicht zugeben würde, dass ich auch überlegt habe, ob es nicht einfacher, entspannter wäre. Aber dieses Bauchgefühl kam nie auf bei mir, dass es richtig oder besser wäre. Ich sehe mich da jetzt einfach nicht, so mit Knieschonern in der Halle. Natürlich, als öffentlich wurde, dass Linda und ich nicht weitermachen, kamen auch gleich eine Menge Anfragen von Vereinen. Ich kann jetzt auch nicht sagen, was 2028 sein wird. Aber in diesem Moment will ich nicht etwas abbrechen und in die Halle zurückkehren. Das wäre der leichtere Weg, man könnte einen Verein finden, sein Geld verdienen. Das ist bloß nicht meine Zielsetzung.
Alles zu den BR Volleys bei den German Beach Club Finals:
https://www.berlin-recycling-volleys.de/club/br-volleys-die-finals





