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Mark Lebedew – der Premierenmeister

Mi 30.09.2026
Foto: Sebastian Wells
Foto: Sebastian Wells

In der Geschichte jedes Vereins gibt es erste Male – das erste Finale, den ersten Titel, den ersten Olympiasieger im Club, die erste Saison in einer neuen Halle, die erste ausverkaufte Arena. Mark Lebedew war als Trainer bei einigen solcher Ereignisse dabei, seit aus der Profimannschaft des Sport-Clubs Charlottenburg 2011 die Berlin Recycling Volleys wurden. Das sportlich wohl bedeutsamste: Der Australier gewann am 22. April 2012 die Deutsche Meisterschaft. Die Premierensaison mit dem neuen Titelsponsor endete gleich im Konfettiregen. Der Erfolgscoach ist deshalb der Erste, der in der neuen Jubiläumsrubrik „15 Jahre | 15 Menschen“ zu Wort kommt – drei Wochen vor dem großen Heimauftakt (21. Okt. um 19.00 Uhr).

„Die Jahre in Berlin waren eine unglaublich gute Zeit“, erinnert sich der 59-Jährige, der den Umzug von der altehrwürdigen Sömmeringhalle in den brodelnden Volleyballtempel Max-Schmeling-Halle miterlebte, die Umbenennung vom SCC Berlin zu den Berlin Recycling Volleys, den imponierenden Zuwachs bei den Zuschauerzahlen und den enormen sportlichen Erfolg. Es war eine Entwicklung im Gleichklang. Lebedew holte mit den BR Volleys auch in den beiden folgenden Spielzeiten den Meistertitel an die Spree. Es waren die ersten Trophäen in seiner Trainerlaufbahn. Das allein ist es nicht der Grund, warum er heute noch so von seinen fünf Jahren in der deutschen Hauptstadt schwärmt. Es war zugleich die neue Begeisterung für den Volleyball, die Arbeit mit den Persönlichkeiten, die diesen Aufschwung organisierten. „Die BR Volleys sind in meiner Erinnerung der beste Verein, in dem ich gearbeitet habe.“

Nicht zu vergessen das Berliner Publikum, das er tief in sein Herz geschlossen hat. Dass dieses Gefühl des meist so gelassen wirkenden Mannes, der während der Spiele mit Taktiktafel bewaffnet an der Seitenlinie auf- und abschritt, um seine innere Unruhe zu bändigen, auf Gegenliebe stieß, erfuhr Lebedew zum bislang letzten Mal 2024. Nach Stationen bei den polnischen Topteams in Wegiel und Zawiercie sowie als Cheftrainer Australiens und Sloweniens hatte er ausgerechnet beim VfB Friedrichshafen angeheuert. Den Meistertitel konnte er den BR Volleys nicht wegschnappen. „Aber nach der Silbermedaille für Friedrichshafen haben die Zuschauer mir applaudiert, das war für mich sehr berührend“, erzählt er und ist immer noch gerührt, „wenn ich heute daran denke. Ich wurde sowieso immer sehr gut aufgenommen von Mitarbeitern und Fans, obwohl ich mit dem größten Feind angereist bin. Diese menschliche Erinnerung bedeutet mir mehr als die Siege an sich.“

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Lebedews Lieblingsmoment aus 15 Jahren: 
„Bei 12:14-Rückstand nahm ich eine Auszeit und sagte zu Scott Touzinsky: Haching bringt den Ball wahrscheinlich zu Christian Dünnes, du hast bis jetzt keinen Block gemacht, jetzt brauchst du einen. Im Fernsehbild konnte man mein Lächeln sehen, als Scott den Ball von Dünnes wirklich geblockt hat. Und eine Minute später hat er auch noch den Meisterschaftspunkt mit einem Block gemacht - unglaublich!“ - im fünften Playoff-Finale 2012 in Haching

Es gab schon zu seiner Zeit viele davon, die Berlin Recycling Volleys rüttelten immer entschlossener an der Vormachtstellung des bis dahin dominierenden VfB Friedrichshafen, bis im Playoff-Halbfinale 2012 die Trendwende gelang (3:2 für Berlin). Die schönsten sportlichen Erinnerungen hat er an das Final Four der Champions League 2015, als er und sein Team vor ausverkauften Rängen im Spiel um Platz drei zuhause Skra Belchatow (POL) bezwangen. Und an die drei Meisterschaften natürlich. „Es ist vielleicht ein bisschen komisch, das zu sagen. Aber die Momente, die bei mir ganz besonders im Herzen bleiben, sind die Meisterfeiern. Nicht die Spiele an sich oder der letzte Moment im Spiel. Sondern als wir zusammen im kleinen Mannschaftskreis diese Momente genossen und gefeiert haben.“ Genügend spezielle Typen hatte er ja dabei an seiner Seite. „An erster Stelle Scott Touzinsky“, erinnert er sich, „ich bin ein Riesenfan von ihm, was er im Alltag in der Mannschaft bewegt hat, ich kann nur Gutes über ihn sagen.“

 Von den sechs Profis, deren Trikot unter der Decke des Volleyballtempels hängen, wurden fünf mit ihm Meister: Jaroslav Skach, Aleksandar Spirovski, Robert Kromm, Felix Fischer und Paul Carroll. „Ja, das war eine starke Gruppe“, erzählt Lebedew. In der nicht immer nur Harmonie herrschte. Aber das liegt weit zurück, „mit der Zeit vergisst man das und erinnert sich an das Gute“. Sein Kontakt nach Berlin ist nicht abgerissen, auch jetzt nicht, wo er versucht, in Polen mit Stal Nysa den Aufstieg in die höchste Spielklasse zu erreichen. Vor ein paar Monaten war er Gast bei der Hochzeit von Salvador Hidalgo, einst sein Spieler beim SCC. „Es ist super freundlich mit allen. Ich telefoniere oder schreibe ab und zu mit Kaweh Niroomand, Matthias Klee und Florian Gafert in der Geschäftsstelle. Mit Doc Oli Miltner habe ich erst vor Kurzem gechattet“, sagt er und erklärt: Sein Knie zwickt.

Niemand wird jünger. Und sein Faible für Heavy-Metal? Auch Vergangenheit? Lebedew lacht. „Meine Frau hört eher andere Musik. Darum bleibe ich lieber zu Hause bei Anita und unserem Sohn Daniel. Tatsächlich war ich zuletzt 2014 in Berlin bei einem Konzert.“ Soundgarden hieß die Band. Wobei: Eine Gruppe gäbe es da. „Wenn ich könnte, würde ich gern mal auf ein Konzert der Ärzte gehen.“ Nur sind die leider meistens sehr schnell ausverkauft. Vielleicht schafft er es stattdessen mal wieder als Zuschauer zu einem Spiel der BR Volleys. Ein freundlicher Applaus wäre ihm gewiss.

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Dreamteam-Voting
Jeder Protagonist aus "15 Jahre | 15 Menschen" stellt sein persönliches Dreamteam zusammen. Zu Beginn des Jahres 2027 wird es ein interaktives Publikumsvoting geben, um gemeinsam das All-Time-Dreamteam aus 15 Jahren zu küren.

Die Jubiläumssaison „15 Jahre Berlin Recycling Volleys“ feiert der Verein mit Geschichten und Eventspieltagen. Alle Infos dazu auf: https://www.berlin-recycling-volleys.de/saison/15-jahre-br-volleys

Tickets für die Heimspiele: www.br-volleys.de/tickets

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