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12:14 im Tiebreak – und dann begann das Wunder

15 Jahre BR Volleys, 15 unvergessliche Highlights: Zum Auftakt der dritten Jubiläumsreihe geht der Blick zurück auf jenen 22. April 2012, an dem die Berlin Recycling Volleys erstmals unter ihrem neuen Namen Deutscher Meister wurden. Was im Sommer 2011 als Aufbruch mit einem starken Titelsponsor begann, endete nach einer außergewöhnlichen Playoff-Reise in einem der dramatischsten Endspiele der Vereinsgeschichte. Zwei Matchbälle gegen sich, vier Punkte zum Glück – und am Ende grenzenloser Jubel. Beim großen Heimauftakt (21. Okt. um 19.00 Uhr) wird dieser denkwürdige Tag mit Vereinsikonen von damals auch noch einmal in Erinnerung gerufen.
14:12 für Generali Haching im Tiebreak. Zwei Matchbälle für die Gastgeber. Die Meisterschale ist zum Greifen nah – allerdings für die falsche Mannschaft. In der ausverkauften und restlos überfüllten Generali-Sportarena in Unterhaching stehen die BR Volleys am 22. April 2012 mit dem Rücken zur Wand. Noch ein Punkt für die Bayern und der Traum ist geplatzt. Doch was dann passiert, wird sich tief in das kollektive Gedächtnis des Hauptstadtclubs einbrennen und endgültig neue Fanherzen erobern.
Dabei hatte neun Monate zuvor eine neue Zeitrechnung begonnen. Aus dem SCC Berlin wurden die BERLIN RECYCLING Volleys. Der langjährige Partner Berlin Recycling übernahm das Titelsponsoring und verlieh dem Hauptstadtclub nicht nur seinen neuen Namen, sondern auch wirtschaftliche Perspektiven. Nachdem die BR Volleys in den Vorjahren immer häufiger in der Max-Schmeling-Halle gespielt hatten, wurde sie nun endgültig zur sportlichen Heimat. Was noch fehlte, war die Initialzündung auf dem Spielfeld. Die ließ zunächst auf sich warten. Die Premiere unter neuem Namen ging am 30. September 2011 gegen evivo Düren mit 2:3 verloren. Trainer Mark Lebedew formte dennoch eine Mannschaft mit großen Ambitionen. Olympiasieger Scott Touzinsky, die Mittelblocker Felix Fischer und Tomas Kmet sowie Diagonalangreifer Paul Carroll gehörten zu den prägenden Gesichtern. Nach einer wechselhaften Hauptrunde standen die Berliner auf Rang drei – hinter den Favoriten Generali Haching und dem VfB Friedrichshafen. Die entscheidenden Wochen sollten aber erst noch kommen.
Im Playoff-Viertelfinale ließen die BR Volleys den Netzhoppers KW-Bestensee beim 2:0 in der Serie keine Chance. Dann wartete der VfB Friedrichshafen. „Wir wussten damals, dass wir es in diesem Jahr wirklich packen können, sie zu schlagen“, erinnert sich Felix Fischer, „Friedrichshafen war nicht so souverän. Wir haben uns stark gefühlt, auch weil wir Topspieler wie Paul, Tomas oder Roko (Sikiric, Anm. d. R.) von der Konkurrenz geholt hatten.“ Der Serienmeister vom Bodensee hatte seit 2005 sämtliche Meisterschaften gewonnen und galt als nahezu unüberwindbar. Nach der Auftaktniederlage (1:3) schien sich die Geschichte zu wiederholen. Doch Berlin schlug zurück, gewann die nächsten drei Begegnungen und warf den Titelverteidiger mit 3:1 Siegen aus dem Wettbewerb. „Das war legendär. Ich stand mit Björn Höhne vorn am Netz und wir haben den letzten Ball zum Finaleinzug ins Feld gedrückt. Die volle Halle ist explodiert. Damit war der Bann gegen Friedrichshafen gebrochen“, schwärmt Fischer. Der Beginn einer Wachablösung im deutschen Volleyball. Erstmals seit 2004 stand der Hauptstadtclub wieder vor dem ganz großen Triumph.

Felix Fischer gewann nach acht langen Jahren in Haching wieder die Meisterschaft.
Im Finale wartete mit Generali Haching der Hauptrundensieger. Es entwickelte sich ein Duell, in dem zunächst ausschließlich die Heimteams triumphierten. Haching gewann die beiden Auftritte in Bayern (3:0, 3:1), Berlin antwortete jeweils mit einem deutlichen 3:0 im Volleyballtempel. Alles musste sich in Unterhaching entscheiden. Über Nacht kaufte das BR Volleys-Lager jedes in der Generali-Sportarena noch verfügbare Ticket auf und mobilisierte alle Fans. Das sorgte zwischen beiden Vereinen durchaus für Zündstoff und für eine Arena, die aus allen Nähten platzte.
In dieser druckvollen Atmosphäre wurde die Nervenprobe auf die Spitze getrieben. Berlin gewann den spektakulären ersten Satz mit 31:29, verlor anschließend jedoch die Durchgänge zwei und drei. Mit einem 25:18 kämpfte sich das Team von Lebedew in den Tiebreak. Dann schlug die Stunde der Gastgeber. Beim 14:12 fehlte Haching nur noch ein einziger Punkt zum ersten Meistertitel der Vereinsgeschichte. Doch die BR Volleys gaben nicht auf. Beim ersten Matchball landete das Service im Netz. Dann trat der Ex-Hachinger Tomas Kmet an die Aufschlaglinie. Per Block wehrte Scott Touzinsky gegen Christian Dünnes auch den zweiten ab und plötzlich stand es 14:14. Haching wackelte, Berlin glaubte wieder an sich – und Denys Kaliberda verzog beim nächsten Angriffsschlag ins Aus. Matchball Berlin. Anschließend servierte Kmet ein letztes Mal, Touzinsky stieg am Netz erneut hoch und blockte Hachings Zuspieler Branislav Skladany. 16:14! Vier Punkte in Serie! Deutscher Meister!
Felix Fischer rutschte mit seinen Mitspielern auf dem Bauch in Richtung der mitgereisten Fans. Jubel, Erschöpfung, Ungläubigkeit – alles entlud sich in diesem Augenblick. Nach 1993, 2003 und 2004 war es der vierte Meistertitel der Vereinsgeschichte, aber der erste als BR Volleys.

Der Moment für die Geschichtsbücher. Touzinsky drückte den Ball auf Hachinger Seite runter.
Fischer gerät ins Schwärmen: „Das war die komplette Erfüllung. Für einen Teil der Mannschaft endete damit eine ewig lange Durststrecke, in der an Friedrichshafen kein Rankommen war und auch Düren und Haching uns dazwischenfunkten. 2004 hatte der Verein zuletzt etwas gewonnen. In diesem Moment wurden wir für den Aufwand vieler Jahre belohnt. Einfach ein geniales Gefühl.“
Für Mark Lebedew war es der erste Meistertitel seiner Trainerlaufbahn. Für Berlin Recycling und die BR Volleys wurde der Triumph zum perfekten Auftakt ihrer gemeinsamen Erfolgsgeschichte. Aus einem neuen Namen war innerhalb einer Saison eine Meistermannschaft geworden. Und aus einem scheinbar verlorenen Tiebreak einer der größten Momente in 15 Jahren BR Volleys.

Die Meistermannschaft rutscht in Richtung der mitgereisten Fans.
Am 21. Oktober kehrt dieser besondere Erfolg zum Heimauftakt der Jubiläumssaison in den Volleyballtempel zurück – mit der Meisterschale und einigen der Helden von damals. Neben Tomas Kmet und Felix Fischer hat sich auch der damalige Außenangreifer und heutige CEV-Präsident Roko Sikiric angekündigt. Es wird ein hochkarätig besetzter Start in die Spielzeit 2026/27.
Alle Infos dazu auf: https://www.berlin-recycling-volleys.de/saison/15-jahre-br-volleys
Tickets für die Heimspiele: www.br-volleys.de/tickets






