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Tagesspiegel: Kaweh Niroomand, Sie gelten als jemand, der immer etwas tun muss, der immer ein neues Projekt braucht. Kaweh Niroomand: Ja, das stimmt. Ich bin einfach so gestrickt: Ohne Herausforderungen und Ziele komme ich nicht aus, ich brauche immer neue.
Tagesspiegel: Wie sehen denn die aktuellen bei den BR Volleys aus? Niroomand: Davon gibt es zurzeit sogar sehr viele, und alle haben mit einem Schlüsselerlebnis für unseren Verein zu tun: dem Final Four der Champions League, Ende März in der Max-Schmeling-Halle.
Tagesspiegel: Inwiefern war dies ein Schlüsselerlebnis? Niroomand: Einerseits war die Veranstaltung ein neuer Höhepunkt unserer Vereinsgeschichte, andererseits gab es nicht nur positive Auswirkungen: Sportlich hat man unserer Mannschaft während der Playoffs um die Meisterschaft angemerkt, wie viel körperliche und mentale Energie uns das Finalturnier gekostet hat. Zudem hätten wir ohne die internationale Aufmerksamkeit nach Saisonende vielleicht den einen oder anderen Spieler mehr halten können. Nicht zuletzt war das Final Four eine enorme Belastung für unsere Geschäftsstelle, und das war das Schlimmste für mich.
Tagesspiegel: Warum? Niroomand: Unsere Mitarbeiter waren einfach fertig – physisch k.o. und auch psychisch ziemlich leer. Sie fragten sich: Wie können wir diesen Erfolg noch steigern? Wofür machen wir weiter? Dass wir den Titel verpassen und Spieler sowie den Trainer verlieren, konnte ich verkraften. Aber ich wollte nicht ein solches Großereignis auf die Beine stellen und danach unser halbes Management verlieren. Hinzu kommt die gestiegene Erwartungshaltung bei Fans, Medien und Sponsoren, die ein solcher Erfolg mit sich bringt. Aus diesen Gründen haben wir uns überlegt, wie wir für die Zukunft neue Reize setzen können.
Tagesspiegel: Zu welchem Schluss sind Sie gekommen? Niroomand: Dass wir große neue Ziele brauchen. Deshalb haben wir eine Strategie entwickelt: wir nennen sie „BR Volleys 2020“. Im Kern geht es darum: Wie bleiben wir nicht nur erfolgreich, sondern auch interessant? Aus dieser Frage haben sich viele Ideen entwickelt, deren Umsetzung uns jetzt motiviert und antreibt.
Tagesspiegel: Was sind denn nun genau die großen neuen Ziele? Niroomand: Natürlich wollen wir uns den Meistertitel zurückholen. Aber vor allem wollen wir uns als europäischer Top-Klub zementieren: Innerhalb der nächsten drei Jahre wollen wir sportlich die Runde der besten sechs Teams der Champions League erreichen. Dafür brauchen wir einen entsprechenden Etat. Zurzeit beträgt dieser etwas weniger als zwei Millionen Euro. Wenn wir jedoch auf internationalem Top-Niveau mitspielen wollen, sind 2.5 bis 3 Millionen notwendig. Um eine solche Summe generieren zu können, müssen wir unsere Vertriebsstrukturen professionalisieren. Aber wir haben uns noch mehr vorgenommen.
Tagesspiegel: Nämlich? Niroomand: Mittelfristig wollen wir bei den Zuschauerzahlen durchschnittlich zwischen 5.500 und 6.000 Besucher erreichen. Das ist eine stramme Marke, aber wir haben ein wichtiges Publikumspotential für uns erkannt: Zwar ist im Berliner Volleyball ein Rückgang des organisierten Vereinssports zu verzeichnen, doch ist die freie Volleyballszene in den letzten Jahren stark gewachsen. In den Parks, am Strand oder auf öffentlichen Sportanlagen – überall spielen die Menschen Volleyball. Diese Entwicklung haben wir im Rahmen unserer „Urban Volley“-Kampagne bereits aufgegriffen und forciert. Nun wollen wir noch enger mit dieser Zielgruppe in Kontakt treten, unter anderem in den sozialen Netzwerken. Außerdem sollen unsere Heimspiele in der Max-Schmeling-Halle familienfreundlicher gestaltet werden. Das fängt mit dem Spieltermin an und setzt sich bei speziellen Angeboten für Kinder und deren Eltern fort. Das alles sind nur einige Beispiele. Aus der Kernfrage „Wie bleiben wir interessant?“ hat sich also eine Dynamik mit vielen neuen Projekten entwickelt.
Tagesspiegel: Müssten Sie dafür nicht noch stärker Entwicklungshilfe für andere Bundesligisten oder in neuen Großstadt-Standorten leisten? Niroomand: Natürlich machen wir uns darüber Gedanken. Wir haben vorgelegt und gezeigt, dass man Volleyball attraktiv und publikumsträchtig präsentieren kann. Unsere „Lokomotiv-Funktion“ müssen wir weiterhin wahrnehmen und die aktuellen Entwicklungen in der Bundesliga begleiten und unterstützen. Wenn wir uns mit unserem Produkt zu weit von den anderen entfernen, ist das auf Dauer auch für uns nicht gut.
Tagesspiegel: Wo sehen Sie bei anderen Bundesligisten am meisten Nachholbedarf? Niroomand: Es gibt noch viele strukturelle Themen, wie etwa einige Spielstätten, die einfach nicht in die Bundesliga gehören. Jeder einzelne Verein muss das Ziel haben, das Produkt Volleyball in Deutschland erfolgreich weiterzuentwickeln. Dafür sind Risiko- und Investitionsbereitschaft, aber auch Kreativität und Ideenreichtum erforderlich. Erste Fortschritte sind bereits zu erkennen: Die Vereine beginnen, an einer Verbesserung ihrer Strukturen zu arbeiten. Die Volleyball Bundesliga will eigene Werbe- und Medienpartner gewinnen. Allerdings passiert das alles nicht so schnell, wie ich mir das wünschen würde.
Tagesspiegel: Richten Sie auch deshalb Ihren Fokus verstärkt auf Europa? Niroomand: Die Champions League ist extrem wichtig für uns. Gerade aufgrund der aktuellen Situation der Bundesliga ist die europäische Königsklasse eine gute Alternative, quasi eine attraktive Parallelliga. Je besser und länger wir dort mitspielen können, desto interessanter und abwechslungsreicher bleibt es für unsere Fans.
Tagesspiegel: Wie schwer es jedoch ist, sich gegenüber den internationalen Konkurrenten zu behaupten, haben Sie auch in der zurückliegenden Transferperiode wieder spüren müssen. Niroomand: Die Spielersuche ist immer ein Vabanquespiel für uns. Wir wollen keine „Volleyball-Touristen“. Unsere Spieler sollen sich als ein Teil unseres Projekts fühlen. Identifikation und Konstanz sind dabei sehr wichtig. Deshalb wollen wir unsere Spieler auch möglichst langfristig an uns binden.
Tagesspiegel: Auch den Neuzugängen impfen Sie also Ihre neue Strategie „BR Volleys 2020“ ein? Niroomand: Selbstverständlich. Auch diese Mannschaft muss unsere Philosophie verstehen und verinnerlichen. Nur auf das Spielfeld gehen und bumm, bumm, bumm machen – das reicht bei uns nicht aus!
Quelle: Johannes Nedo / Tagesspiegel
Die Saison 2015/2016 beginnt für die BR Volleys am 25. Oktober um 16.00 Uhr mit einem Heimspiel gegen den TV Ingersoll Bühl. Tickets für den Saisonauftakt sind im BR Volleys Ticketshop ab sofort erhältlich.
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